Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1857)
- Article
- Grundlinien einer jüdischen Symbolik
- Date
- 1857-10-01
- Page
- 21 (sequence 3)
- Language
- German
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21 GruMtntm einer jüdischen Symbolik II. ernste, gewissenhafte Diener des göttlichen Gesetzes gegen jede symbolische Auffassung und Deutung göttlicher Gesetze mißtrauisch gemacht, und sie lieber sich von jedem solchen Versuche symbolischer Deutung fern halten ließ, als sich und das heilige Gottesgesetz den ernsten Gefahren solchen mißbräuchlichen Spiels und solcher mißbräuchlicher Verirrung blos zu geben. Insbesondere aber ist man von anderer Seite einem jeden Versuche einer Symbolik des jüdischen Gesetzes entgegengetreten. Die Erfüllung des jüdischen Gesetzes war den modernen Zcitbestrebungen lästig geworden; mit einem muthigen Schritte hatte die Praxis etnes großen Theils der Zeitgenossen den lästigen Hemmschuh bei Seite geworfen und forderte nun lautpochend von der nachhinkenden Theorie eine systematische Rechtfertigung des bereits vollzogenen kalt aceompli. Die Theorie ließ auch nicht lange auf sich warten. Man verwies alle die lästig gewordenen Bestimmungen des göttlichen Gesetzes in die Kategorie unerheblicher Kleinlichkeiten, nichtsbedeutender Aeußerlichkeiten, auf welche unmöglich Gott, der Gesetzgeber dieser Bestimmungen, einen so bedeutenden Werth legen könne, ersann allerhand Rücksichten auf damalige Zeit- und Orts- Verhältnisse, die den Gesetzgeber als Motive für die damalige Zeit mögen geleitet haben, die aber für unsere Zeit und unsere Beziehungen der Gegenwart alle Geltung verloren, und beruhigte auf diese Weise die Gewissen, die mit einem so großen Theilc heiliger, von Gott gebotener Pflichten gebrochen hatten. Wie unbegnem und ungelegen müßte nun natürlich einer solchen Theorieei» Wort cntgegentreten, das auf den ernstesten Ernst hinweist, mit welchem Gott in seiner Gesetzgebung gerade die Erfüllung eben dieser Bestimmungen fordert, die mau als lästige Kleinlichkeilen bei Seite schiehen möchte, und das zugleich eben diesen sogenannten Aeußerlichkeiten einen Inhalt vindicirt, der sie über allen Wechsel der Zetten und Räume mit der Ewigkeit der ih-- neu innewohnenden Idee hoch empor hebt. Die Leugnung aller Symbolik im göttlichen Gesetze des Judenthums ward so sehr Bcdürsniß dieser. Theorie, daß wir von dem geistvollen Verfasser einerauf deren Boden sich bewegenden allerncustcn ״Geschichte des Judenthums", allen Ernstes die Aeußerung lesen konnten: ״Die Symbolik ist, wie ich meine, eine unterscheidende Eigen-