Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 12 (September 1857)
- Article
- Aus Hamburg
- Date
- 1857-09-01
- Page
- 644 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Eornspoiitenj. 644 zählen zu den Streitern dcS Herrn, denen die Thora doch noch Gesetz ist. Da jammern sie über Jene, seufzen über Untreue und Vcrrath am Heiligthumc und klagen Diesen und Jenen an. WaS jammert Ihr und seufzet und klaget über Andere? Ihr Leben und ihre Thatcn überlasset ruhig der Vorsehung. Wer von einer jüdischeu Mutter geboren ist, hat seine cizenthümliche jüdische Aufgabe zu erfüllen und erfüllet sie bewußt oder unbewußt, sei cs als jüdischer Kämpfer, sei cs selbst als christlicher Bischof, nach dem unerforschlichcn Nathschluß deS Allerhöchsten. Eine Indensecle geht nimmer verloren, sagt das altjüdische Sprichwort. — Wollt ihr jammern und seufzen und klagen, so nehmt Ench selber zum Gegenstände. Seht, mit dem Munde nennt Ihr Euch noch Juden und auch Euer Thun und Lassen trägt noch den Stempel des jüdischen Gesetzes. Seit Ihr aber entschiedene Juden wie unsere Väter, ist Euer Dertrauen zu der ewigen Gotteswahrheit der Thora ein felsenfestes, unerschütterliches, ist es Euch mit dem Ernste wahrhaft ernst? Steht einen Augenblick stille bet Euren Geschäften und überdenket alle Gcsctzesanssprüche im Handel und Wandel. Haltet an bei der Sabbathruhe und überleget alle Ge- und Verbote beim Sabbathe und fraget Euch heimlich und still aber streng und gewissenhaft: stimmt das Gesetz mit dem Leben, ist die praktische An- Wendung der theoretischen Forschung angepaßt, habt Ihr der Thora die Aboda beigesellt? Richtet diese Fragen au Euer ganzes Schaffen im Judrnthume und erkennet, über wen Ihr zu klagen habt. Vor Allem aber und ganz besonders haltet bei euren Kindern inne; denn da zeigt es sich am Klarsten, wie eS mit dem Gvttvertrauen und dem Vertrauen zur Thora, wie cs mit der Aboda steht. Unter allen Gütern und Gaben, mit denen die gütige Vorsicht den Menschen ausgcstattet, steht der Kindersegen oben an, als daS herrlichste Gut, als das kostbarste Geschenk. Hier tritt der Mensch zu allererst dem Schöpfer am Nächsten; und nicht nur das leibliche Dasein erhält das Kind von den Eltern, sondern auch das geistige Leben; der ganze Mensch mit allen seinen körperlichen und seelischen Anlagen ist ein Th eil seiner Erzeuger und deshalb verknüpfen auch die zartesten und zugleich festesten Bande Eltern und Kinder. WaS Jene darum werthschätzen, was ihnen lieb und theuer ist, was sie als gut, nützlich und schön betrachten, suchen sie ihren Kindern zu