Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 12 (September 1857)
- Article
- Aus Hamburg
- Date
- 1857-09-01
- Page
- 645 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Aut Hrmburg NI. 645 übergeben. Für den gcsetzcstreuen Juden aber kann eS nichts Besscrcö, Nützlicheres, Herrlicheres und Wcrthvollcrcö geben, als daS Gesetz, denn für keinen Gegenstand hat er so viel Opfer zu bringen. Seinen Erwerb must er anfgcbcn um dcS Gesetzes willen; er hat so viele Entbehrungen zu erdulden um des Gesetzes willen; seinen Trieben und Reizen muß er Gewalt anthun um des Gesetzes willen, überall bei jedem Schritte tritt das Gesetz mit seinen Ansordcrungcn ihm entgegen. Und doch — derselbe Mann, der allen diesen Ansprüchen zu genügen sich bemüht, derselbe Mann ist zu schwach —־. eine gute Lchrlingstcllc für seinen Sohn auSzuschlagen, wenn er dafür den Sabbath in den Kauf geben soll, ist zu schwach, seine Tochter einem Manne zu versagen, wenn ste für die ״gute Parthie" dem ganzen Kleinod des Hciligthums für sich und ihre Kinder entsagen muß. Diese Thatsache», die bei unS leider so wenig vereinzelt dastchen, daß eS vielmehr als ein Ercigniß bctrachtct wird, wenn fromme, jüdische Eltern für ihre Kinder eine gute Stelle, eine glanzende Heirath um dcö JudenthnmS willen ausschlagcn, diese Thatsachen sprechen so laut von dem geringen Ernste, den wir mit dem Ernstesten, Heiligsten haben; legen rin klägliches Zcngniß von unserer Halbheit und Unentschiedenheit ab; zeigen so deutlich, wie wenig Vertrauen wir, die frommen Ham-- burgcr, zur Gotteslchre haben; bekennen so offen und klar, wie sehr cs unS mangelt an dem rechten, wahrhaften Verständnisse des Indenthums, wie unwürdig wir sind, uns Nachkommen Abrahams zu nennen, den der Herr nur deshalb erwählt, ״damit er seinen Kinder», seinem Hanse für die Zukunft das göttliche Gesetz überant- Worte", daß uns jeder Ausdruck fehlt, um die ganze Erbärmlichkeit und Halbheit zu kennzeichnen, die ans dieser Erscheinung reden und wir im Hinblick auf dieselbe mnthlos und verzweifelnd die Hände in den Schooß fallen lassen würden, hätte der Heer der Hecrschaaren, der alle Vcrkebrtheiten und Verirrungen zu Seinen großen Zwecken lenket und zu diesen ״sowohl Thoren, wie Verbrecher bingct" nicht uns den Trost gelassen: רוחי אשר עליך ודברי אשר שמת בפיך לא ימושן מפיך ומפי זרעך Er helfe zum Bessern; menschliche Augen sehen hier keine Hilfe.