Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 12 (September 1857)
- Article
- Grundlinien einer jüdischen Symbolik
- Date
- 1857-09-01
- Page
- 623 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932835-2932848-2941452--02921-2941512- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Grundlinien einer jüdischen Symbolik. 623 Die erste Bedingung, nach welcher wir uns auf unserm Wege zum Verständuiß eines Symbols umzuseheu haben, ist daher die, daß wir uns über die Absicht vergewissern, daß nämlich der Ur- Heber dieses Gegenstandes oder dieser Erscheinung ihnen überhaupt die Bestimmung gegeben, durch dieselben einen Gedanken auszudrücken. So lange uns diese Absicht nicht gewiß ist, sind wir überhaupt nicht berechtigt, sie als Symbol aufzusassen, so lange fehlt uns die Berechtigung über ihre primitive, ursprüngliche Bedeutung hinauszugehen. 9. Die erste Frage wird also immer die sein: Haben wir ein Symbol vor uns oder einen Gegenstand in seiner ursprünglichen, primitiven Bedeutung? Erst nach Erledigung dieser Vorfrage, erst nachdem wir die Ueberzeugung haben, es sei hier überhaupt der Ausdruck einer Idee, eines Gedankens, einer Wahrheit, einer Lehre in diesem Gegenstand oder dieser Erscheinung gegeben, dürfen wir daran gehen, die Gedanken aufzusuchen, die der Urheber dieses Gegenstandes und dieser Erscheinung durch dieselbe hat aussprechen wollen. Ohne diese Vergewisserung, daß wir überhaupt ein Symbol vor uns haben, bleibt unsere Deutung, und wäre sie auch noch so geistreich, nichts als ein Gaukelspiel subjektiv tändelnden Witzes, dem aller und jeder Werth objektiver Realität abgeht. Zur Beantwortung dieser Frage werden wir zwar zunächst den Gegenstand und die Erscheinung selbst zu prüfen und zu suchen haden, ob wir in ihnen selbst keine Andeutung finden, die uns über ihre primitive oder symbolische Bedeutung einen Aufschluß giebt, wir werden aber ebenso sehr nach einem solchen Aufschluß in dem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang, in welchem uns der Gegenstand vorgeführt, in seiner räumlichen und zeitlichen Umgebung zu suchen haben. Einen Anker am Hafenplatz werden wir in seiner primitiven Bedeutung begreifen. Mein in so kleinen Dimensionen, oder von solchen Stoffen ausgcführt, daß er zum wirklichen Schiffgebrauch untauglich ist, wird er sich uns schon als außerhalb der primitiven Bestimmung ankündtgen. Vor einem Schiffswaarenlager hängend, wird er sich uns nur als Geschäftsabzeichen ankündigen, auf einem Siegel mit Bussole und Landkarte zusammengestellt, werden