Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 12 (September 1857)
- Article
- Grundlinien einer jüdischen Symbolik
- Date
- 1857-09-01
- Page
- 622 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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622 Grundlinien einer' jüdtschkn Symbolik. Anspruch nehmen, und in der größer« Stetigkeit, in welcher sie ihren Inhalt vergegenwärtigen, also in dem Grade der Wirkung, die von ihnen hinsichtlich der Erkenntniß und Anerkenntniß ihres Inhalts zu erwarten ist, so stehen sie aber hinsichtlich der wesentlichsten Eigenschaft eines jeden Gedankenausdrucks, hinsichtlich der Deutlichkeit, in entschiedenem Nachthetl. Sind uns daher Symbole gegeben, tn welchen bestimmte Gedanken für uns ihren Ausdruck finden sollen, so müssen wir uns nach der,richtigen Weise umsehen, in welcher wir aus dem Symbol und der symbolischen Handlung den einen bestimmten Gedanken aufzufinden im Stande sein können, dessen Vergegenwärtigung ja eben den alleinigen Zweck und die alleinige Bestimmung derselben ausmacht. Diese rechte Weise, diese Methode zu Deutung der Symbole läßt sich aber nur aus der eigenthümltchen Natur des Symboles selber und ans dem Verhältntß eines Symbols zu seinem Inhalt ermitteln. 8. A Symbole sind Zeichen aus dem Kreise sinnlich wahrnehmbarer Gegenstände und Erscheinungen zur Vergegenwärtigung bestimmter Ideen und Gedankensätze. Diese sinnlichen Gegenstände und Er- Meinungen tragen aber diese Bedeutung nicht vermöge ihrer ursprünglichen Natur, es ist diese Bedeutung nicht ihre primitive, sie sind vielmehr nur zum Ausdruck dieser Idee tn Betracht einer Verwandtschaft und einer Beziehung, in welchen sie zu derselben stehen, gewählt und bestimmt worden, sie drücken diese Zdee nur in Folge dieser Wahl und Bestimmung aus, ihre symbolische Bedeutung ist eine übertragene, die Absicht dessen, der sie zum Symbol gesetzt und gebraucht, verleiht ihnen diese Bedeutung. Tausend Vergißmeinnicht blühen am Wege, aber nur das Blümchen, das der Freund, als wir uns trennten, pflückte und mir schweigend an den Busen steckte, ward ein Symbol und spricht zu mir ״Vergiß mein nicht!" Selbst der Druck der Hand, dieses so natürlich redende Symbol unserer körperlichen Mimik, erhält diese Sprache nur durch die Absicht dessen, der mir die Hand gedrückt. Sonst geht die Bedeutung des Händedrucks nicht über die Empfindung des Drucks hinaus, den er bewirkt, und erst das Bewußtsein der Absicht dessen, der mir diese Empfindüng gebracht, berechtigt mich, sie als ein redendes Zeichen aufzufassen.