Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 12 (September 1857)
- Article
- Grundlinien einer jüdischen Symbolik
- Date
- 1857-09-01
- Page
- 619 (sequence 5)
- Language
- German
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Grundlinien einer jüdischen Symbolik. ' 61S erkennung und Bekennung die Gesammtheit ihre Einheit finden sollen, finden wir in symbolischen Zeichen, Bildern, Emblemen ausgedrückt, sowie deren Anerkenntniß und Bekenntniß in symbolischen Thätigkeiten, in sinnbildlichen Handlungen begangen. National- Farben und Embleme, Bilder, Altäre, Opfer und Ceremonien, in denen sich das politische und religiöse Leben der Völker bewegt, bilden Theile dieser Symbolik. 6. Vergegenwärtigen wir uns die Momente, in denen wir bisher das Symbol als Begleiter oder Stellvertreter des Wortes erscheinen sahen, so wird es nicht schwer fallen, die dem Symbol eigenthümliche Wirkung herauszufinden, die ihm neben dem Ausdruck der mündlichen oder schriftlichen Tonsprache eine Stelle anweist, ja ihm mitunter den Vorzug einräumt. Was ist's zuerst, das der Mimik, dieser natürlichen Symbolik unserer Körperbewegungen eine so bedeutende Kraft in Begleitung oder Stellvertretung des Worts verleiht? Was macht's, daß mich das Wort viel mächtiger trifft, wenn es eine entsprechende Körperbcwegung begleitet, ja daß der stille Händedruck, ein Wink des Auges, eine Falte auf der Stirne, ein Achselzucken, kurz ein symbolischer Körperausdruck tiefer ergreift, als das deutlichste, klarste Wort, als die umständlichste Rede, die nur die Lippe spricht, ohne daß sich der übrige Leib daran betheiligt? Diese Bctheiligung machts! Was blos die Lippe spricht, wer sagt's, daß es aus dem Herzen kommt, daß'"es nicht blos die kühle Berechnung spricht, an der der Mensch keinen Thetl hat! Mit jenem Zuge, mit diesem Zucken, mit jenem Druck giebt er aber seinen ganzen Körper, sein ganzes Wesen seinem Worte hin, es thut sich kund, daß der ganze Mensch in dem Worte lebendig ist, das die Lippe spricht, daß der Gedanke, die Empfindung in dem ganzen Menschen lebt' und das, die Betheiligung des Besten, was wir babcn, die Hingebung unseres ganzen, geistigen und leiblichen Wesens an den Gedanken und die Empfindulig, die zur Anschauung kommen sollen, das ist der Zauber, der der Symbolik des Körpers innewohnt. Und ist es ein anderes bei dem symbolischen Denkzeichen, bei der symbolischen Handlung? Zst's nicht die Aufwendung von Kraft, 87