Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 12 (September 1857)
- Article
- Elul
- Date
- 1857-09-01
- Page
- 608 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mal. tz07 keine Zeit, in der es leicht wäre, Jude und Jüdin zu sein. Nur bietet eine jede Zeit andere Hindernisse zu überwinden, andere Kämpft zu bestehen, andere Opfer zu bringen; Ueberwindung aber, Kampf und Opfer fordert jede. Galt es in Palästina während des ersten Tempels der Gott verleugnenden Unstttltchkeit der umliegenden astatischer! Staaten, so wie dem Gesetz verleugnenden Abfall des diesem verführerischen Beispiele erlegenen eigenen Staates zu widerstehen; so galt cs während des zweiten Tempels der hellenischen Verlockung und der römischen Politik, so wie dem durch Beide im eigenen Innern erzeugten Verderbniß und Jrrthum Widerstand zu leisten. Galt es in den dunkelsten Jahrhunderten des Exils trotz Kerker und Scheiterhaufen, trotz Vertreibung und Niedermctzclung Jude und Jüdin zu bleiben und der Verachtung und dem Hohne einer selbst in die schmählichste Barbarei und erbärmlichste Verblendung versunkenen Welt mit der Aegide des in Gott gefundenen Selbstbewußtseins und der in Gott gewonnenen Selbstachtung Trotz zu bieten; so galt cs in Periode» wie die spanisch - arabische Zeit der milden Luft des Hoflcbcns, den Verlockungen der Ueppigkeit, sowie Verirrungen Widerstand zu leisten, die einerseits aus der Thcilnahme au den auf nichtjüdischcm Boden und nicht auf jüdischen Prinzipien erwachsenen Wissenschaftlichcn Bestrebungen stch erzeugten, anderseits aus den Geistesarbeiten der aus einen! halben Judenthum hcrvorgegangcnen Sprossen des Christcnjhums und des Islams in die Auffassung des Judcnthums selbst hineingctragen wurden. Galt cs noch in den später!! Zeiten des Mittelalters und dem Anfänge der neuern Zeit sein Judenthum, die Möglichkeit Jude und Jüdin zu sein, mit dem Ausschluß von aller Thcilnahme an den aufblüheudcn Bestrebungen der Wissenschaft und Kunst, mit der Nichtbetheiligung au allem Staatenleben, mit der Verkümmerung des Familienlebens, mit der Beschränkung der Nahrungswege, mit der verhöhnenden Abschließuug in das von allem Weltverkehr abgepferchte Ghetto-Leben zu bezahlen, so wie allen Verlockungen zu widerstehen, die ein crsindungsreicher Wahn mit erkünstelten Hindernissen Verkümmerung wünschend, Bekehrung Hofsend, jedem redlichen und sittlichen Streben des Juden gewaltsam in den Weg geschleudert; so gilt es in der neuesten Zeit, mitten im freiesten Weltverkehre, in vollster Betheiliguug an allen Bestrebun-