Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1857-08-01 · Heft 11 (August 1857) · p. 592

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 11 (August 1857)
Article
Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
Date
1857-08-01
Page
592 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2932835-2932847--02857-2941426
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

592 als hätte ich gegen die Heroen der הלכה und der אגדה ankämpfen wollen, die uns den Quell gegraben, aus dem wir Trost und Leben schöpfen". Indem wir gerne diese Erklärung veröffentlichen, glauben wir gleichwohl bemerken zu dürfen, wie man doch wohl den Alten auch der allerjüngsten Zeit ein eben so schreiendes Unrecht mit der Behauptung thue, sie hätten sich von ihrer Seligkeit keine Rechenschaft zu geben gewußt, als man sicherlich die von der Neuzeit vermehrten geographischen nnd historischen Kenntnisse weit über die Gebühr erhebe, wenn mau versichert, sie erst hätten unserm Glauben Licht und Wahrheit gebracht. Konnten die Alten der alten Zeit ohne den Zuwachs der geographischen und historischen Kenntnisse mit geistvollem Bewußtsein in ihrem Glauben leben, so konnten das wahrlich die Alten der jüngsten Zeit nicht minder. Wahrlich, unsere unmittelbaren Lehrer, Väter und Großväter, die ihre Bibel an der Hand eines Jarchi, Kimchi, Nachmamdes, Gersonides, Abarbanel, Arama, Bechai u. s. w» lasen, die sich an den Choboth Hallebaboth, Chinuch, Alschich, Binah Laitthim, u. s. w. u. s. w. erbauten, vermißten den geographischen und historischen Apparat der wissenschaftlichen Gegenwart nicht, um sich mit Licht und Wahrheit in ihrem ״Glauben" zurecht zu finden und sich mit Geish und Gemüth ״irr ihrem Glauben selig" zu wissen. Wir brauchen . wahrlich unsere Lehrer, Väter und Großväter nicht herabzusetzenum auf ihre Kosten der auch von der Neuzeit gebrachten wissenschastlichen Gaben froh zu werden. Wir dürfen je rer Zeit gerecht bleibm. Aus zum Theil geschmacklosen Accomodationen und unexegetischen Anwendnungen von Texten einzelner Maggidim der jüngsten alten Zeit beweisen zu wollen, daß dieser jüngsten alten Zeit das Verständniß des Gotteswortes und der Schriften der Alten entgangen, dürfte aber vollends nicht zutrefsen. Die gedruckten Predigten der allermodernsten Gegenwart dürften eine artige Nachlese zu solchen unexegetischen Accomovationen liefern. Die eigene, übrigens ja recht schöne, Predigt des Herrn Knöpfmacher gäbe ihm, wenn er wollte, ebenso Gelegenheit auszurufen: heißt das nicht מגלה פנים בחורה שלא כהלכה? Wenn es in dieser Predigt heißt: ״Der Jude will wohl erbauet, aber auch belehrt ״werden im Gotteshause מנהגן של ישדאל חודה היא , wo in Israel irgend ״eine Sitte besteht, da hat sie die Belehrung zum Zweck und Ziel" — oder wenn dort allen Ernstes versichert wird: ״Auch erzählt uns das ״ganz deutlich der Prophet Ezechiel. Zu seiner Zeit hatten die Men- ״schen die Religion nur in den äußern Formen einer Cerewonie wieder ״zu finden vermeint und es fehlte ihnen das innere Bewußtsein, die ״erwärmende innige Ueberzeugung, und der Herr nannte diese Menschen ״.ohne Einsicht: עצמות יבשוח und sprach zum Propheten Ez. 37 , 4: ״Weissage über diese Gebeine und spreche zu ihnen u. s. w. u. s. w.", so wird gewiß Herr Knöpfmacher gegen Jeden aufs Entschiedenste prote-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.