Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 11 (August 1857)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1857-08-01
- Page
- 585 (sequence 3)
- Language
- German
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Von Dr. M. Kayscrling. 585 ״Einzigen", wie Mit- und Nachwelt sie nennt, Tarquenia Molsa erzählt wird: die Sprachen waren ihr geläufig, sie schrieb vorzügliche Briefe, dichtete allerliebste Verse, spielte meisterhaft die Laute und sang wie ein Engel. Ob sie auch mit der Schönheit der Targucnia ausgestattet war? Unsere somit in mehr als einer Beziehung die Bewunderung ihrer Zeitgenossen erregende Jsabella war ein hervorragendes Mitglied in der von Belmonte, diesem durch seine Stellung im Staate berühmten Juden, gestifteten Akademie. Es ist zu bedauern, dass »ns alle näheren Nachrichten über ihre Lebensverhältnisse fehlen; daß sie lange Zeit von den holländischen Dichtern wegen ihres Glaubens (Coiivietum) die ihr gebührende Achtung und Anerkennung nicht erlangen konnte, und selbst von den Ihrigen — vielleicht aus Neid — nicht hinlänglich gewürdigt wurde, erfahren wir aus der in Hexametern geschriebenen, aber aller Poesie baren lateinischen Elogte, womit ein Holländer, Antonio dos Neys ihr Andenken feierte. *) Doch das wahre Verdienst ringt nicht umsonst — weder Haß noch Neid, noch Verkleinerungssucht können die Strahlen der gewaltigen Geister verdunkeln und so mußte auch Jsabella die Anerkennung werden, welche man ihr der religiösen Ueberzcugung wegen vorenthielt, ״der erkannte Werth gab ihr der Dichterin Rang". Der Pastor Fido, jenes großartige, die Stimme der Natnr und des menschlichen Herzens verkündende Werk des Italieners Guarini, der mit einem Tasso hätte wetteifern können, wurde von ihr Meister- Haft bearbeitet und sicherte ihr einen sie überlebenden Ruhm. Sie war sich der Vorzüglichkeit ihrer Uebersetzung so sehr bewußt, daß sie kein Bedenken trug in der Widmung an den hohen Protektor spanisch-jüdischer Dichter und ihrer Akademie, Manuel de׳Bel- Monte, zu versichern, daß ihre Uebersetzung weder an Geschmack noch an Glanz — en aseo aj pompa — dem italienischen Original, sowie der französischen Bearbeitung nachstehc, ״ja", fügte sic hinzu, ״meine Uebersetzung hat noch andere Vorzüge, ich habe rcflectieende Bemerkungen hinzugcfügt". In jener Zeit, wo man mit Ehrentiteln noch nicht verschwenderisch war, und bloßes Versemachcn noch *) Antonio dos Re^s, Enthus. Foot. No. 282. — Non bene cum Lusis Hollandis convenil: isli Coimclum olrjiciunt per temponi longa, suisque —