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Jeschurun · 1857-08-01 · Heft 11 (August 1857) · p. 578

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 11 (August 1857)
Article
Die Juden in Holland
Date
1857-08-01
Page
578 (sequence 7)
Language
German
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578 Die Juden In Holland. die Wanderung tn's zweite Exil an — ״Gott" — erzählt einer von ihnen — ״Gott ging uns voran, wir zogen fort". Die Reichen trugen die Reisekosten für die Armen; — nur wenige der Dürftigsten traten zum Christcnthume über. Zu Fuß, zu Pferd, auf Eseln oder auf Wagen sah man diese Unglücklichen sich dem Meere oder der Gränze zu bewegen. Die Rabbiner ermuthigten sie, sie ließen Frauen und Kinder singen, Flöte und Tambourin ertönen um den sinkenden Muth der Menge aufrecht zn erhalten. Diese Menge bestand aus Arbeitern, die ehrlich ihr Brod durch Ausübung verschtedener Handwerke erwarben;׳eine langjährige Uebung, verbunden 'mit ihrem ausgebildeten Geiste, hatten sie den arbeitenden Klaffen der christlichen Bevölkerung weit überlegen gemacht. Eine verbleudete Politik beraubt so Spanien der Arme, die seine Industrie zur Blnthe gebracht, der Männer der Wissenschaft und des Talentes, die in Mitten einer dunkeln Periode der Unwissenheit die Licht- Strahlen des Geistes verbreitet hatten. Da die Medicin fast gänzlich in den Händen der Juden war, so sah sich nach deren Vertreibung die christliche Bevölkerung plötzlich aller ärztlichen Hülfe beraubt. Die Fabriken der Halbinsel erlitten einen tödtlichen Stoß. Die Akademien, die Schulen, die gelehrten Gesellschaften waren zerstört. Das Edikt verbot den geächteten Juden Gold und Silber mitzunehmen, aber sie retteten große Summen unter dem Sattel ihrer Pferde, einige verschlangen׳ sogar Dukaten, um die strenge Untersuchung der an der- Gränze postirten Beamten zu hintergehen. So bedeutend die Menge des, so aus dem Lande gegangenen Geldes auch war, so war doch der Schatz des geistigen Vermögens, der sich mit dieser thätigen und aufgeklärten Bevölkerung entfernte, ein viel größerer. Da Costa macht mit Recht darauf aufmerksam, daß wenn die Juden damals nicht ihre Augen auf Palästina, als auf ihr einziges und wahrhaftes Vaterland gerichtet gehabt hätten, sie stark genug gewesen wären, die spanische Herrschaft zu stürzen. Aus Spanien vertrieben schifften sich die Juden von allen Häsen der Halbinsel nach Italien, Marokko, der Türkei und der Levante ein. Eine Flotte von 20 Segeln brachte viele Familien nach Oran in Algerien, wo ihre Nachkymmey noch jetzt leben; aber . die Meisten wandten sich nach Portugal, dessen UehnlWeit »n Klima, Sprache und Sitten mit-Spanien sie einlud. Seit Jahr-

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