Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 11 (August 1857)
- Article
- Die Juden in Holland
- Date
- 1857-08-01
- Page
- 577 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932835-2932847-2941338--02839-2941411- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Von NlphonS Esquiro-. 577 Confiscirungen, Plünderung und Raub in jeder Gestalt unabänderlich jeden Act dieser langen, blutigen Tragödie. Gegen die ״verdämmten Juden" ist Alles erlaubt. Spanien konnte dem Einflüsse, dieses vom Eigennütze »och gesteigerten Reltgionshasses nicht entgehen. Der zweite Januar des Jahres 1492 hatte den Halbmond von der iberischen Halbinsel schwinden sehen. Da faßte Ferdinand und Jsabella, in ihren Eroberungen schwelgend und durch den Arm der Inquisition getrieben, einen Beschluß, der ihr schönes Reich mit Trauer und Verödung erfüllen mußte. Der Boden Spaniens — so ward beschlossen — solle nicht ferner durch die Gegenwart der Menschen befleckt werden, die sich nicht zur katholischen Religion bekannten. Dieser Beschluß kam wie ein Donnerschlag und verbreitete Bestürzung unter den Juden. Einhundert und sechzigtausend Familien (?), die seit unvordenklichen Zeiten im Lande gewohnt hatten, sollten also aus fanatischem Eifer und unersättlicher Habsucht aus dem Lande, das die Gräber ihrer Väter barg, verbannt werden. Die spanischen Juden boten dem König eine bedeutende Summe, um die Ausführung dieses harten Gesetzes abzuwenden. Der König schwankte; da trat Torquemada ein und fragte die katholische Majestät trotzig, ob sie dem Beispiele Judas Zschariot's folgen wollte, der den Erlöser für Geld verrathen. *) Das Edikt, welches die Austreibung der Juden befahl, wurde von Ferdinand und Jsabella am 30. März 1492 in einer der Säle der Alhambra unterzeichnet. Die Juden waren die einzigen Unterthanen des Königreiches, die großes Vermögen besaßen. Man erlaubte ihnen, ihren Besitz zu verkaufen; aber diese Erlaubniß war eine reine Ironie. Ein Haus wurde für einen Esel, ein Weinberg für einen Mantel abgegeben. Der Tag der großen Zerstreuung war gekommen; an diesem Tage traten hunderttausend Menschen, aus allen Provinzen zusammengekommen, Frauen, Kinder, Greise, Kranke, *) Diese Geschichte der Jude» in Spanten und Portugal ist englisch von einem Juden, dessen Familie einige Zeit Holland gelebt hat, geschrieben worden: tbe history of the Jevvs in Spain and Portugal, by M. Lindo. Unter de» gleichzeitigen spanische» Schriftstellern, die diese herzzerreißende Geschichte behandelt, dürfen wir den Namen des Don Adolfo de Castro nicht vergessen, der in seinem Werte: Historia de los Indios en Espana, das aus den besten Quelle» geschöpft hat, große Unparteilichteit an den Tag legt.