Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1857)
- Article
- Summarische Geschichte der Juden in Frankreich
- Date
- 1857-07-01
- Page
- 518 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2932754-2932835-2932846-2941233--02750-2941297- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
518 Summarische Geschichte der Julen in Frankreich. Dauphine von dem Notar Nicoleti und von den andern Notaren in Empfang genommen werden sollen, die dieser zu diesem Ende beste!- len werde. Am 15. Januar hatte Karl VI. verordnet, daß man ihnen zahlen solle, was man ihnen schulde; am 28. März giebt er eine Verordnung des Inhalts, daß die Schuldsorderungen der Juden für nichtig erklärt werden, und daß die gerichtlichen Klagen, die sie gegen ihre Schuldner anstellen würden, untersagt seien. Endlich 1397 bestehlt er, daß alle von Christen zu Gunsten der Juden ausgestellten Schulddokumente eingezogen, zerrissen und verbrannt werden sollen. Diese Maßregel beschließt mit einem Bankerott die lange Gesetzgebung Karls VI. gegen die Jude». Es scheint, daß die Verbannung mit äußerster Strenge ausgeführt und ausrechtgehalten worden; denn ein ganzes Jahrhundert hindurch begegnet mau auch nicht einer einzigen Verfügung in Betreff der Juden. Dennoch müssen sie später in einigen Städten geduldet worden sein, wie es ein Dekret Karl VIII. vom Juli 1493 bezeugt, welches den Einnehmern von Arles die Erlaubniß crtheilt — die Juden aus der Stadt zu jagen. Wir sind zu jener Epoche gelangt, wo die Emancipation der Menschheit einen unermeßlichen Fortschritt gethan. Die Civilisation hat die Schranken des Mittelalters überschritten. Eine neue Welt ist entdeckt. Die Wiedergeburt der Künste hat das Gefühl des Schonen wieder geweckt und damit einen glücklichen Einfluß auf die öffentlichen Sitten geübt. Die Erfindung der Buchdruckerkunst hat dem menschlichen Gedanken eine Waffe gereicht, die seinen Triumph sichert. Das Recht der Gewalt, welches durch Eisen und Vcrfinstcrung sein Reich ausübt, kämpft vergebens gegen die Macht des Rechts, welches durch Vernunft und Aufklärung seine Herrschaft verbreitet. Der Protestantismus tritt unter verschiedenen Forine» auf und stellt dem blinden Glauben die freie Prüfung entgegen. Mit Recht erhält diese denkwürdige Epoche den Namen: Reformation. Kann man aber erwarten, daß die politische oder religiöse Tyrannei in ruhiger Weise weichen und ohne Widerspruch den neuen Lehren den Platz räumen werde, die den Keim aller Freiheiten in ihrem Schooße tragen? Leider, nein! Der Fanatismus sieht seine Macht erschüttert und ist darum nur um so heftiger, sic aufrecht zu halten. Je zahlreicher seine Gegner werden, um so mehr verdop-