Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1857-07-01 · Heft 10 (Juli 1857) · p. 498

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 10 (Juli 1857)
Article
Thamus
Date
1857-07-01
Page
498 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2932754-2932835-2932846-2941231--02728-2941277
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

498 ThamuS. setzen und uns die Wahrheit klar zu machen suchen, die daS Wort der Weisen birgt? Liegt Zion nicht noch in Trümmern, und gilt es nicht seinen Wiederaufbau durch unser« eigenen geistigen Ausbau naher zu führen? Der Mund der Weisen schläft, und nur ans der tobten Schrift können wir uns ihre Gedanken wieder beleben. Daher dürfen wir wohl schwanken, indem wir ihre Meinung zu ergründen versuchen. לא ברכו בחורה תחלה , sic beschäftigte» sich wohl mit der Lehre, erstrebten ihre Erkenntniß, erkannten sic auch als eine Wohlthat und priesen Gott dafür, aber sie priesen Gott nicht zuerst für die Thorah, לא ברכו בחורה תחלה, das kann zuerst die Meinung der Weisen sein; und wie viel hätten sie uns nicht damit gesagt! Sie priesen Gott nicht zuerst für die Thorah! Die Thorah war ihnen auch ein Gut, auch eine Beschäftigung, auch eine Aufgabe, der sie zu genügen, auch eine Wohlthat, für die sie zu danken hatten, aber sie war ihnen nicht — das Gut aller Güter, die alle andern bedingende Wohlthat, die Aufgabe, von der zu allen andern der Ausgang zu nehmen sei, sie priesen Gott nicht zuerst für die Thorah, es stand ihnen die Thorah nicht in erster Linie und in dieser ersten Linie obenan! Und Gott hatte doch die Thorah vor sie hingestellt — תורתי־ אשר נתחן לפניהם — jede Richtung, jede Lebensäusierung sollte sie zuerst zur Thorah führen, bei jedem Schritte sollten sie der Thorah zuerst begegnen und zu jedem Ziele zuerst den Weg nur über die Erkenntniß der Thorah finden! Daran begann es zu fehlen, und als es daran zu fehlen begann, war schon der bedeutendste Schritt zu dem letzten traurigen Ende gethan. So bald die Liebe und Werthschätzung der Thorah nicht unsere ganze Brust erfüllt, wir nicht nur aus Liebe zur Thora auch andere Kenntniß und'andere Güter lieben und achten, weil sic die Erkenntniß der Thorah fördcrn und die Erfüllung der Thorah ermöglichen, sobald wir Kenntnissen und Gütern neben der Thorah einen selbstständigen Werth einräumen, so ist bereits Alles gethan unS sehr bald zur Vernachlässigung der Thorah zu bringen. Wir werden sehr bald aufhören, die Ergebnisse anderer Geistesarbeiten nun an dem Prüfstein der Gotteswährheiten der Thorah zu messen und ihnen nur so viel Eingang in unser Gedanken- und Gefühls-Leben zu gestatten, als eben diesen Gottes-Wahrheiten gemäß ist, werden sehr bald

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.