Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1857)
- Article
- Die Wüste Sinai
- Date
- 1857-06-01
- Page
- 482 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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482 Die Wüste Sinai es vor fünfunddreißighundert Jahren verkündet worden. Es war für mich ein herzergreifender Augenblick, er ist es noch jetzt in der Erinnerung. Es war kein heiterer Tag; Wolken stiegen am Horizonte auf und beschränkten׳ die Aussicht. Aber wir sahen ״die große und furchtbare Wüste", und eine Erscheinung trostloserer Dürre und Ocde hatten wir niemals in der Wirklichkeit oder in der Einbildung gesehen. Kein einziger milder Zug, den ununterbrochenen Graus des Landschaftsbildes zu sänfttgen. Kein grüner Fleck, kein Baum, keine Blume, kein Bach, kein Teich — nichts, als dunkelbraune Grate, rothe Kuppen, gleich Pyramiden von festem Feuer. Kein abgerundeter Hügel, keine sanfte Bergkrümmung, wie sie auch in den wildesten Gegenden anderer Länder zu sehen sind — sondern monströse, mißgestaltete Felsen, Schicht auf Schicht, hin und wieder in einen schneckenförmigen Gipfel auslaufend — meilenweit haben die Winterströme, die gleich berstenden Wasserhosen von dem Haupte bis zu den Füßen der Berge niederstürzten und sich eine tiefe Bahn höhlten, die nackten Lenden derselben zerrissen und bis in die Adern und Sehnen des feurigen Felsens eingeschnitten." : Auf dem Wege zum Sinai wurden die Felsenschtchten im Wady Mukkateb besucht. Gute Gründe scheinen für die Ansicht zu sprechen daß diese längst berühmten Jnskripte weder von den wandernden Israeliten, noch von koptischen Wallfahrern herrühren, sondern ein Werk der Phönizier sind, die in den Zeiten vor den Pharaonen die Kupferbergwerke in der Nähe bearbeitet hatten. Schon Niebuhr, der Aeltere, in seinen Reisen (Bd. I, 202), neigte sich dieser Ansicht zu. Dafür spricht besonders die Aehnltchkeit der Schriftzüge mit dem phönizischen Alphabet. Die hin und wieder vorkommendcn griechischen Buchstaben scheinen zu beweisen, daß die anderen Inschrtften einer verschiedenen Quelle gehören. ״An einer Stelle", sagt Bonar, ״sah ich griechische, an einer anderen englische (?) Worte, und an anderen wieder solche, die dem Syrischen sehr ähnlich waren. Der letzteren jedoch waren sehr wenige, in der Weise der Gravur völlig verschieden von den andcren, und augenscheinlich jüngeren Ursprungs". Von hohem Alter sind diese Inschriften ohne Zweifel; das beweist schon die Thatsache allein, daß die Schriftzüge völlig unbekannt sind; da man kein Beispiel hat, daß irgend welche Sprache