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Jeschurun · 1857-06-01 · Heft 9 (Juni 1857) · p. 481

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 9 (Juni 1857)
Article
Die Wüste Sinai
Date
1857-06-01
Page
481 (sequence 3)
Language
German
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nach Horattus Bonar» 481 Auftrag genügen. Weder tn Aegypten , noch in der Wüste, und am wenigsten auf den ״hochgestusten Bergen" Palästinas konnte ich solches auftreiben. Erst im Thale Htnnon, an einer feuchten und schattigen Seite, gelang es mir, des Freundes Wunsch zu befriedigen. ״Herr Stanley spricht von dem ״״dünnen Pflanzenschleier, den die Wüste selten ablegt"", besonders von ״״den duftigen Sträuchen an den hohen Hügel-Abhängen"". Ich habe nichts dergleichen in der Wüste bemerkt. Die dünn etnhergestreuten Sträucher verdienen wahrlich nimmer den Namen eines Pflanzenschleiers. Aromatische Pflanzen habe ich wohl hm und wieder in den Bergspalten, aber nimmer an den Halden gefunden. Wenn Stanley Keble's Schilderung der Wüste mit ihren ״״grünen Bergrändern, auf denen Schafe weiden"" ansührt, so meint er stcherlich nicht damit, die Genauigkeit dieser Schilderung zu vertreten." Ebenso rügt Bonar in jenes Dichters Schilderung den Zug: ״Der stattliche Jordan, hinfließend zwischen Palmen", der, meint er, nicht aus der Anschauung hervorgegangen sei.... ״In etwa anderthalb Stunden", berichtet der Verfasser, ״von dem Augenblick an gerechnet, wo wir das Kloster verließen, erreichten wir den grauen Gipfel des Sinai; denn auf dem Körper des Berges, der rother Granit ist, erhebt sich das graue Haupt desselben. Ob durch Verwitterung, oder durch eigene ursprüngliche Formation, weiß ich nicht; genug, der Granit zeigt sich auf dem Gipfel in blätterigem Geschicht, so daß wir im Stande waren, mit unseren Hämmern einige Scheiben von Zolldicke loszuschlagen. Mit diesen abgesplitterten Bruchstücken füllten wir unsere Taschen, da wir cs der Mühe Werth hielten, Proben von jenem Berge nach Hause zu bringen, der ״im Feuer brannte", und auf den Gott selbst niedergestiegen war. Vor dem heftigen Winde und der strengen Kälte, die hier herrschten, suchten wir Schutz unter dem Eingang einer der Kapellen. Während der Mönch, unser Begleiter, Feuer machte und Kassee kochte, überblickten wir den Schauplatz und schrieben einige kurze, freundschaftliche Briefe, datirt vom ״Gipfel des Sinai". Zch hatte die zehn Gebote im Original, auf ein großes Blatt geschrieben, mitgenommen, daS ich mm vor mir ausbrettete und davon das Gesetz auf dem Gipfel des Berges ablas, auf dem

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