Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1857-06-01 · Heft 9 (Juni 1857) · p. 480

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 9 (Juni 1857)
Article
Die Wüste Sinai
Date
1857-06-01
Page
480 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2932754-2932835-2932845-2941109--02667-2941200
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

480 Die Wüste Sinai Ueber das kurze Zwielicht und den Uebergang vom Tage zur Nacht bemerkt der Reisende: ״Mehr denn einmal beobachteten wir die Araber gegen Abend, wie sie nach dem Schatten aussahen und froh waren, wenn er anfing sich zu strecken. Es lag darin ganz einfach der Wunsch, das Tagewerk vollbracht zu sehen — ״״Wie der Knecht begehrt nach dem Schatten und der Miethltng erwartet seinen Werklohn."" (Hiob 7, 2); ״״Laß ab von ihm, daß er raste, bis er vollbracht hat wie ein Miethling seinen Tag."" (das. 14, 6,). Und in den Bemerkungen am Schluß einer anderen Tagereise heißt es: ״Der rasche Untergang der Sonne, ohne vorbereitende Dämmerung, setzte uns in Erstaunen. Anstatt der Krümmung, die sie bei uns nimmt, sinkt sie dort fast lothrecht nieder, ״״hastend im jähen Lauf"", freilich nicht ״״zu des Oceans Eiland"", sondern zu den Hügeln der Wüste. Die Schatten verlängern sich auch weit schneller, als bei uns; worauf ohne Zweifel der Psalm (102, 12) ansptelt: ״״Meine Tage sind gleich dem Schatten, der sich neigt"", d. h. der sich zu verlängern angefangen und der raschen Fortschrittes sich immer mehr verlängert, bis er sich gänzlich verliert." Gelegentlich tadelt der Verfasser den Dichter Keble, der in Bezug aus das Manna in einem. Gedichte sagt: ״Die feuchten Perlen nun bestreuend Thymian-Halden und Binsen-Thäler." ״Das sind", sagt Bonar, ״Licenzen, die selbst einem Dichter nicht gestattet sind. Thymian und Binsen gehören nicht zum Wüstenkostäm. ״Senneshalden und Ginsterthäler" wären naturgetreuer, aber freilich nicht so Poetisch gewesen. . . . Derselbe Dichter spricht von ״Sinat'S Höhlen." Aber der Sinai hat keine Hohlen und kann auch, als ein Granttberg,, keine haben. Diese gehören mehr den Kalksteingebirgen Syriens und den Sandsteinbergen im nördlichen Theil der Wüste. Die Höhle deS Elias (1. Könige 29, 9) scheint in einiger Entfernung vom Sinai gelegen zu haben.. . . Keble besingt die Berge Palästinas, ״die hochgestuften, mit mosigem Gestein". Mein Freund, Adam White vom Britischen Museum, trug mir nun auf, ihm einiges Moos aus dem Osten mttzubringen. Obgleich die Jahreszeit ziemlich feucht war, so konnte ich doch nur schwer dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.