Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1857)
- Article
- Die Verwendung der Veitel'schen Stiftung
- Date
- 1857-05-01
- Page
- 425 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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der Bejtel'schen Stiftung. 425 haben vielmehr eine vollständig entwickelte, in ihren Umriffen scharf und deutlich hcrvortrctcnde Handlung anzuführen, das Produkt jenes Momentes. Fern sei es von uns, einer ganzen Klasse, oder auch nur einer Person in unsrer Gemeinde eine Gesinnungsweise zuzuschrciben, wie die, von der jene Berliner Curatoren geleitet sein mußten. So tief sanken wir nie, so tief we.den wir hoffentlich nie sinken. Gleichwohl läßt sich nicht leugnen, daß etwas diesem ״Liberalismus" nicht ganz unähnliches einen Theil unsrer Gemeinde, und zwar besonders unter der Heranwachsenden Generation, inficirt hat. Erzogen in Anstalten und unter Einflüssen, in denen das jüdische Element keine Vertretung fand, in denen die jüdische Bildung mit der allgemeinen nicht gleichen Schritt hielt, in denen die große Mission des Judenthums, wenn nicht ganz und gar geleugnet, wenigstens iguorirt, und wenn nicht positiv lächerlich gemacht so doch negativ in Schatten gesetzt — zeigen viele Glieder der jüngeren Generation, die, enthusiastisch für alles Gute, wie feurige und unverdorbene jugendliche Gemüther es ja sind, von dem begeisternden Hauche der erhabenen, einzig reinen Lehre, und den Ideen des Zudeuthums nie angeweht wurden, nur zu viel Geneigtheit, den Juden in den Bürger aufgehen zu lassen und den jüdischen Pflichten ihre Stelle erst in zweiter Ordnung, hinter den Bürgerpflichten anzuwctscn. Sollte eine solche Denkweise — was Gott verhüten möge — sich in der Gemeinde je verbreiten, sollte sie gekräftigt und durch irgendwelche Veranlassung zur Leidenschaft werden; sic würden schließlich zu ebenso bcklagcnswcrthen Vorgängen, wie die in der preußischen Hauptstadt, führen und würden deren Urheber mehr Schmach auf die Gemeinde laden als wenn sic offen vom Judenthum abfieleu. Wir dürfen uns heute nicht gestatten näher darauf einzugehen zu zeigen, wie in dem großen Drama der Menschheit auf der Bühne der Geschichte die Hauptrolle gerade dem Juden zugctheilt ist, wie er sich deß, was ihn zum Juden macht, nicht entkleiden kann, ohne — und behalte er immerhin den Namen Jude — diesen seinen Part aufzugeben, ohne gegen die Vorsehung anzukämpsen, ohne seinen Willen in Gegensatz zu setzen zu dem Willen Gottes, ohne sich der Strafe würdig zu machen, die den Soldaten trifft, der ohne Erlaubniß seines Vorgesetzten seinen Posten verläßt. Ebenso gestattet es der Raum uns nicht zu zeigen,