Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1857)
- Article
- Die Verwendung der Veitel'schen Stiftung
- Date
- 1857-05-01
- Page
- 424 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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424 Die Verwendung opfern, als Minorität in die Majorität aufzugehen, und, bis auf den Namen Jude, in jedem Punkte seinen Mttunterthanen zu gleichen. Wir wollen hiemtt nicht behaupten, daß diese Curatoren, während sie aus diesen Motiven handelten, auch von ihnen ein so deutliches Bewußtsein hatten, wie der Roman-Dichter, wenn er in seinem Cabtnete die handelnden Charaktere zeichnet und ihnen ihre Rollen anweist. Der Mensch wird nur selten längere Zeit vom Gefühle in dem Grade beherrscht, daß die Vernunft gar keinen Einfluß auf seine Handlungen hätte, noch wird er umgekehrt bet Ausführuug eines Planes lediglich von der Vernunft, ohne jegliche Einwirkung des Gefühles, bestimmt. Nur selten, wenn überhaupt jemals, hat der Handelnde ein vollkommen klares Bewußtsein der oft so complicirten Triebfedern, die ihn in Bewegung setzen. Die Menschen sind deßhalb selten so schlecht, wie man aus der Ausführung ihrer schlechten, noch so weise, wie man aus .der ihrer guten Thaten zu schließen pflegt. Wohl aber wollen wir behaupten, daß diese Motive existiren, wenngleich unbewußt, darum nicht weniger mächtig und sie können von dem denkenden Beobachter mit derselben Sicherheit erkannt werden, als wenn die Handelnden sich ihrer vollkommen bewußt wären. Doch wozu diese ganze Abhandlung, — werden unsre Leser fragen — inwiefern berühren uns die Verirrungen von einem Paar Berliner Reformatoren? Wie nahe das eben gezeichnete Gemälde uns berührt, wird sogleich klar werden, wenn wir uns erinnern, daß der spartanischen Jugend, um ihr Abscheu gegen den Trunk einzuflvßen, berauschte Heloten vorgcführt wurde». Ein zeitiges Vorhalten der traurigen Folgen einer Leidenschaft an dem Beispiele eines spcciellen Falles ist häusig die eindringlichste Warnung. Und wie wir im Reiche der äußeren Natur, um den Begriff Pflanze oder Thier zu definire», als Beispiel zur Verdeutlichung nicht ein unbekanntes Zoophyt wählen würden, das zwischen Leben und Tod, zwischen Pflanze und Thier in der Mitte, eine deutliche Vorstellung weder von diesem noch von jenem gewährt, vielmehr an die stattliche Eiche oder den imponirenden Elephanten erinnern würden; so genügt es bet der Charakterisirung eines geistigen Moments nicht, dasselbe mit einigen schwachen, unbestimmten Worten zu umschreiben, wir