Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1857)
- Article
- Die Verwendung der Veitel'schen Stiftung
- Date
- 1857-05-01
- Page
- 423 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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der BeW'scheu Stiftung. 423 Rechte würdig zu zeigen, steigerte sich bis zur Leidenschaft, und diese Leidenschaft machte sie taub gegen die Stimme des Gewissens, trübte ihre sonstige Geistesklarheit> und. beraubte sie der Herrschaft, die im normalen Zustande die Vernunft über die Gefühle hat. Derartige Erscheinungen stehen nicht vereinzelt in Zeiten großer geistiger Aufregungen. Von seinem Eifer für Freiheit und Gleichheit hingerissen, übte Robespterrc Thaten der größten Tyrannei, wie vielleicht kein Despot vor ihm. (?) Im Bewußtsein seiner Uneigennützigkeit und der Reinheit seiner Absichten, begeistert von dem Ideal eines herrlichen Zieles, glaubte er sich über die Gesetze gemeiner Sittlichkeit gehoben und berechtigt, jedes an sich, auch noch so abscheuliche Mittel zu gebrauchen, so es nur zu dem angestrebten- Ziele führe. Les extremes se touchent. Das uneigennützigste Parteihaupt handelt nach dein jesuitischen Grundsatze: der Zweck heiligt das Mittel. So lassen sich, in Zeiten der Aufregung, auch edle Naturen und menschliche Gemüther fortreißen, und eben der Eifer für Humanität wird dadurch, daß er in den Dienst der Leidenschaft getreten, um so gefährlicher, als er diese selbst durchden ihm innewohnenden göttlichen Funken adelt und sie dadurch mächtiger , zerstörender weil verführerischer und blendender macht. Stellen wir uns vor, die Curatoren der Vettel'schen Stiftung waren von dem Verlangen nach Zulassung zur allgemeinen bürgerlichen Gesellschaft und nach dem Genüsse der einem jeden ihrer Mitbürger zustehc-nden Rechte ebenso leidenschaftlich erfüllt, wie Rvbespierre von seinem Ideale — und das psychologische Räthsel ist gelöst. Diese Curatoren wünschten über Alles und vor Allem Bürger zu sein. Diese eine Leidenschaft verdrängte jede andere Rücksicht. -Sittlichkeit, Pflichtgefühl galten nichts, stellten, sie sich diesem Einen Wunsche entgegen. Zeder Weg war der rechte, führte er nur zum ersehnten Ziele. Die Heiligkeit des Zweckes verdeckte die Ungerechtigkeit der Mittel. Wo gabes nun wohl eine bessere Gelegenheit, vonden liberalen Gesinnungen der Juden, ihrer Aufgeklärtheit, ihrer Fähigkeit sich mit ihren Mitbürgern zu verbinden und zu vermischen und die vorenthaltcnen Rechte auszuüben, dem König undder Nation einen recht eklatanten Beweis zu geben, als wenn man sichmit. der Bitte an den König wandte, dein Juden zu. erlauben,, seine Nationalität auf dem Altar des gemeinsamen Vaterlandes zu