Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1857)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1857-05-01
- Page
- 419 (sequence 6)
- Language
- German
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419 Von Dr. M. Kayftrling. tung Laguna's näher ins Auge, so müssen wir auch hier bemerken, was wir bei dem Werke David Abenatar Melo’ß hervorzuhcbeu schon Gelegenheit nahmen, daß die Uebersetzung den subjektiven Eindrücken nachgab, indem sich der Dichter von seinem Haß gegen die Jnqnisitton fortretßen ließ, häufig ganze Stellen ctnschob und Ideen hineinlegte, die sich im Texte gar nicht finden. Dafür ist sie aber auch sein Lebensbild, das treue Bild seines ganzen, an Verfolg»»- gen, Kränkungen und Leiden so reichen Lebens. Wer könnte es ihm wohl verargen, daß er nicht liebäugelte mit einem Lande, dessen schreckliche, leider! (wir beziehen uns auf einen Artikel in der Kölner Zeitung vom Ende November v. I.) heute nicht einmal für schrecklich gehaltene, Inquisition ihm Frieden und Heimath, Besitz und Rnhc, Glück und Glaube, ja Alles nahm, was dem Menschen auf Erde» nur genommen werden kann! Wer könnte es ihm verargen, daß er die Klagen frei ausströmen ließ, die seine enge Brust nur noch enger zusammenschnürten und mit den Verwünschungen des Psalmisten auch die seinigen gegen die aller Menschlichkeit baren Verfolger schleuderte? In folgender Weise behandelt er den Anfang des lOten Psalms. Warum, o Gott, stehst du fern Unfern Bitten zur Zeit der Noth? Erleuchteten doch sonst deine sonnigen Strahlen uns Als der Stolze, der Böse ihn schreckte, den Armen. Ach, sie verfolgen uns, martern uns so grausam, Mit dem Tribunal, das sie das heilige nennen. Verflucht sei der Uebelthäter, welcher wagt cs noch zu rühmen, Der sich selber segnet — Ew'ger Fluch komme über ihn! An einer andern Stelle (Psalm 124) erflehte er den göttlichen Schutz für sein Volk und singt: Wenn der Herr nicht mit uns wäre, Spricht jetzt Israel, die zerstreute Schaar, Wenn der Herr uns nicht schützte, Da sich der Mensch gegen uns erhebt!