Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1857)
- Article
- Geschichte der Juden
- Date
- 1857-05-01
- Page
- 398 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Geschichte der Juden von vr. Grätz. Eilst» Artikel. 398 der Verf., ״war R. Akiba b. Joseph unstreitig der begabteste, origi- ״nellste und einflußreichste; er gehört zu denjenigen geschichtlichen ״Erscheinungen, welche in der kurzen Spanne ihres Lebens die Ver- ״gangenhett abschließen und die Pforten der Zukunft offne». — ״Indessen hat sich sein schlummernder Geist nicht so schnell entwickelt, ״als es sich die Sage dachte; eine Quelle erzählt, daß er bereits ״dreizehn Jahre Zuhörer R. Elieser's gewesen war, ohne von ihm ״einer besonder!! Antwort gewürdigt worden zu sein. Dieser Lehrer ״der starren Ueberlteserung scheint ihn überhaupt mit gewisser Ver- ״ächtlichkeit behandelt zu haben. — Wohl mag auch die eigenthüm- ״liche Methode R. Akiba's bei Ermittelung neuer Halachas R. Elieser's ״Mißbehagen an ihm so sehr erregt haben. Diese neue Lehrweise ״hatte R. Akiba sich von Nach um aus Gimso angeeignet, dessen Zuhö- ״rer er ebenfalls war. Das Unvollendete und bloß Hingeworfene ״dieser Schule erhob R. Akiba zu einem ausgebildeten System und ״war damit ein Wendepunkt in der jüdischen Geschichte. Dieses ״System betrachtete den vorhandenen Stoff der mündlichen Lehre ״nicht als einen tobten Schatz, des Wachsthums und der Be- ״reichernng unfähig, oder, wie in den Augen R. Elieser's, als ״Gegenstand des bloßen Gedächtnisses, sondern es sollte eine ewige ״Fundgrube bilden, aus welcher sich bei richtiger Anwendung der ״gebotenen Mittel immer neue Schätze gewinnen lassen. Neue ״Gesetzesbestimmungen sollten ferner nicht nach dem äußerlichen ״Maßstabe von Mehrheitsbeschlüssen entschieden werden, sondern ihre ״Berechtigung und Begründung in den geschriebenen Dokumenten deö ״sinnvollen Bibelwortes Nachweisen können. Als oberster Grundsatz ״seines Systems stellte R. Akiba seine Ueberzeugnng hin, daß der ״Wortlaut der Thora, namentlich in den gesetzlichen (halachischen) ״Thetlen, ganz verschieden sei von der Art jedes andern Schrift- ״Wortes. Die menschliche Ausdrucksweise bediene sich außer dem noth- ״wendigen Wortbedarfe noch gewisser Wendungen, Redefiguren ״Wiederholungen, Ausschmückungen, mit einem Worte einer gewissen ״Form, welche zum Verständnisse beinahe überflüssig und nur für ״den Wortlaut und den Geschmack berechnet sei, um die Sätze ab- ״zurunden und sie gewissermaßen zu einem Kunstprodukt zu stempeln. ״J!r der Sprache der Thora hingegen sei gar nichts Form, Alles ״an ihr ist Wesen; da gebe es gar nichts UeberflüsfigeS, kein.Wort,