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Jeschurun · 1857-05-01 · Heft 8 (Mai 1857) · p. 388

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 8 (Mai 1857)
Article
Ijar
Date
1857-05-01
Page
388 (sequence 4)
Language
German
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386 3i»r. seine Vorzüge in den Menschen; alle Vorzüge unserer Gegenwart liegen in der Zeit, alle ihre Gebrechen in den Menschen. Unsere Väter waren groß und selbst glücklich trotz aller Ungunst der Zeiten. Uns lächelt das günstigste Geschick, wir könnten unterm hellsten Sonnenschein des Jahrhunderts Juden sein, könnten im Reiche der Geister und des Lebens das Judcnthum, das volle, reiche, unverstümmelte, unverkümmerte Judenthum zur Verwirklichung und zur Verherrlichung bringen, ohne die Kerker der Inquisition, ohne die Dolche der Geißler, ohne die Schwerter der Kreuzptlger, ja was noch mehr ist, ohne die Nadelstiche eines verkennenden, verhöhnenden Spottes sürchten zu müssen — und wie haben wir diese Gunst des Geschickes belohnt? Welche Tugenden haben wir verdoppelt, welche Frömmigkeit verdreifacht, welche Geistesbestrebung zur Reife und Vollendung gebracht, in denen uns die Väter in den dunkelsten Zeiten des Volkswahns und der Völkermißhandlung vorangewandelt? Unsere Väter hatten ihre Gebrechen? Gewiß! Aber sie hatten auch ihre Tugenden, die, wenn der Enkel an ihrem Grabe ihre. Gebrechen vergißt, ihn zu einem Gott verherrlichenden Leben begeistern können. Sorgen wir dafür, daß, wenn einst das Grab auch unsere Fehler bedecken wird, noch^ so viel von uns übrig bleibe, daß unser Andenken unsere Enkel einst zu Einem großen Gedanken begeistern könne — Doch wir wollten ja keine Apologie unserer Väter, wir wollten nur eine Apologie für uns, für diese winzigen Zeilen schreiben, daß wir bei dem Gedanken der Sestrah es wieder einmal wagen, das Andenken der Ahnen uns näher zu bringen, daß uns das Licht der Gegenwart nicht also blende, ein solches Andenken für ״unzeitgemaß" oder gar überflüssig zu halten, daß wir überall nur an den Fortschritt der Zeit glauben, wenn er die Errungenschaften der Vergangenheit nicht in den Kauf darein giebt. Wer könnte aber auch Wochen und Tage zum Feste der Thora vom Feste der Freiheit und des Lebens zählen, ohne Derer zu gedenken, die das, was diese Zählung lehrt, mit dem Opfer von Jahr- Hunderten auf dem Hochaltar der Geschichte bethätigt, die jeden Augenblick bereit waren, Freiheit und Leben hinzuwerfen, um nur nicht die Thora preiszugeben, die glücklich waren für die Thora zu

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