Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1857)
- Article
- Ijar
- Date
- 1857-05-01
- Page
- 389 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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387 3i«, sterben, so ihnen nicht vergönnt war für die Thora zn leben, die, wie unsere Worte des Gedächtnisses lauten, Leichter waren als Adler Und stärker waren als Löwen, Den Willen ihres Eigners zu vollführen Und das Verlangen ihres Horts! ״Leichter waren sie als Adler!" Eine ganze Welt hatte sich vereinigt, ihre Sinne hinabzuzieheu in den Schmutz der Sinnlichkeit und Gemeinheit. Selbst die Möglichkeit des kahlsten Daseins hatte man ihnen an die unerschwinglichsten Bedingungen also geknüpft, daß das, was jedem andern Sterblichen als Naturangebinde von der Wiege an mitgcgeben ist, das Recht zn sein, sich zn nähren und sein häusliches Nest zu bauen, dem Juden als das höchste Glücksloos dahin gestellt war, das von der Gnade der Gewaltigen zu erbetteln, auf Umwegen zu erschleichen oder mit der angestrcngtesten Sorge Tag und Nacht zu erkämpfen sein sollte, bis der frische Muth dahin, und die Jngendkraft gebrochen und das Alter mit seinen Schwächen und Gebrechen dämmernd über das Gemüth des Mannes cingezogen. Man hatte Gesetze gegeben, die die Existenz des Sohnes an den Tod des Vaters, die des Bruders an den Tod des Bruders knüpften, die das bloße Dasein zu einem Majoratgnt stempclten, das nur^Einer in der Familie erben konnte, während die Andern zum Verkommen und Verkümmern vernrtheilt waren. Gesetze, die, wenn gleich nicht berechnet, doch ganz und gar geeignet waren, alle Bande der Familie zn zerreißen, Neid und Haß und Zwietracht da zu säen, wo die Freundschaft und die Liebe und die Zärtlichkeit blühen sollte, die den Vater dem Sohne, den Bruder dem Bruder als den Stein des Anstoßes und des Hindernisses in den Weg schleuderten, und das Gebet für langes Leben der Ellern und Geschwister zu einem Gebete um ewige Verkümmerung des eigenen Sclbsts in dem Munde des Kindes und dcS Gcschwisters umwandclten. Die meisten erlaubten Wege der Nahrung hatte mau ihnen verboten und das Verbotene erlaubt, und das Erlaubte!so verparagraphirt und verklauselirt, daß die Geschicklichkeit eines Aeguiltbristen dazu gehörte, auf deni schmalen, schwanken Seil der ״Gesetzlichkeit" dahin zu schreiten, ohne das Gleichgewicht zu verlieren und