Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1857)
- Article
- Ijar
- Date
- 1857-05-01
- Page
- 387 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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die sich die Ghettt-Mauern erbauten, waren sie es, die sich freiwtllig in die Kerker ihrer Gassen sperrten, sie, die sich von der ganzen Welt draußen isoltrten, oder war es nicht eben die Barbarei dieser andern Welt, die sie in ihre engen Bezirke pferchte, die sie von aller Theilnahme gemeinsamer Oeffentlichkeit gewaltsam zurückstieß und eben damit jene Beschränktheit und Gedrücktheit mit allen ihren beklagenswerthen Folgen erzeugte, und selbst jene Kontrolle hervorrief, die der Schutz und die Erhaltung des Ganzen nothwendig machten? Und war denn das Leben, das außerhalb der Judengassen gelebt wurde, ein solches, trat darin die Menschlichkeit und die Milde, das Rechtbcwußtsein und die Menschenachiung, die Erkenntniß und der freie Getstesblick so hervor, daß es den Ghettibewohnern Achtung und Bewunderung hätte abnöthtgen, daß es sie ihre Betheiligung schmerzlich hätte vermissen lassen und sie hätte hinüber locken sollen in die Bahnen, deren Eintritt man ihnen verschloß? War es denn nicht meist ein Reich der Barbarei und der Unwissenheit, des Unrechts und der Gewalt, der Rohheit und Unsitte, das in dem Leben draußen sich vollzog? Zählt denn die Geschichte der Jahrhunderte, in denen man den Juden gewaltsam von der großen Schaubühne der Welt isolirte, viele Blätter, über die der Genius der Menschheit sich zu freuen hat? Darf denn der Jude sein Geschick nicht sogar noch segnen, daß er keinen Theil hat an den Fesseln, die da geschmiedet, an den Kerkern, die da gebaut, an den Scheiterhaufen, die da errichtet, an den Gesetzen, die da gegeben, an den Urtheilen, die da gefällt, an den Schlachten, die da geschlagen, an den Herzen, die da gebrochen und an den Gräbern, in die sie da eingesargt wurden? War es eine zürnende oder gütige Hand die sie von diesem Allen isolirte, die sie lieber zu den Gedrückten, als zu den Drängern, zu den Schlachtopfern, als zu den Henkern gesellte? Die ihren Erwählten das noch lange nicht in seiner ganzen Große geschätzte beneidenswerthe Loos bereiten wollte, einst am Völkermorgen als der einzige Mcnschenstamm dastehen zu können, der pciesterlich seine Hände zum Segen sollte erheben können, die Jahrtausende lang sich nicht geröthct hatten vom Völkerblut und auf die nicht gekommen der Seufzer und der Fluch der Nationen? — Gälte es ein Zeitengericht, wir wären vielleicht berechtigt zu sagen, alle Gebrechen unseres Mittelalters׳ lagen in der Zeit, alle