Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1857)
- Article
- Ijar
- Date
- 1857-05-01
- Page
- 386 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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384 Zjar. Weil wirres sonst schon für heilsam erachtet, die Söhne nnd Töchter unserer Tage an die Gräber unserer Vorzeit zu führen, und wir namentlich auch in dem Leben unseres jüdischen Mittel-- alters, in dem Leben unserer Großväter und Urgroßväter Momente erkannt, die uns mit Stolz und Begeisterung erfüllten, und die wir mit Schmerz in unserer Gegenwart vermissten, weil wir es gewagt, auf die Heiterkeit und den Ernst, auf die Selbstbeherrschung und die Mizwathättgkeit, auf die Hingebung und die Gottestreue, auf die Geistesfrische und die Freudigkeit hiuzuweisen, die das Volk, auf die Besonnenheit und Umsicht, auf den Gemeinsinn und die Aufopfernng, auf die Weisheit und den Muth, die die Führer erfüllten, weil wir dieses lebendigste Leben, welches das jüdische Volk in einer Zeit, die es zu tausendfältigem körperlichen Tode verurtheilte, in so urkräftiger Weise entfaltete, als die herrlichsten Triumphe gefeiert, die unsere Thora errungen und womit sie eben ihre göttliche Sendüng bekundet — darum hat man uns vielfach eine verblendete Vorliebe für die Vergangenheit, und eine ebenso verblendete Geringschätzung der Gegenwart vorgeworfen, und als ob wir Altes nur priesen, weil es alt, nicht weil es auch das Bessere gewesen, fragte man vorwerfend,^ ob denn nicht auch die Alten ihre Gebrechen gehabt, ob denn nicht auch die Gegenwart ihre Vorzüge habe? Ob wir den» die alten Ghetto-Mauern wieder aufrtchten möchten, ob wir uns denn zurückwünschten in die düstere Abgeschiedenheit der engen Judengassen, wo der Gesichtskreis des Juden nicht über die Gaffe hinausreichte, wo er keine Kunde hatte von der geistigen Bewegung seiner Zeit, keinen Theil nahm an der Entwickelung der Völker, nichts erntete von Blüthen und Früchten der allgemeinen Bildung, der Literatur und Kunst, der Wissenschaft und der Erfindung, ob wir uns zurückwünschten in die Zeit, wo die Manhigim und die Tuwim, die Führer und Besten der Gemeinde selbst das Privatleben bis aus Putz und Kleidung der Frauen, bis auf Gästezahl und Bewirthung bei Familienfesten kontrolirten, und wo — die in jeder Gemeinde vorhandenen ״Schlafstätten" der Hunderte von herumwandernden heimathlosen Inden nicht eben eine Pflanzstätte der Unschuld und Sittlichkeit waren, auf die wir eben Ursache hätten stolz zu sein? — Handelte es sich um eine Apologie unserer Alten und um eine Würdigung ihrer Zeit, wir würden erwidern, waren sie es denn,