Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 7 (April 1857)
- Article
- Der Ghetto und die Juden in Rom
- Date
- 1857-04-01
- Page
- 365 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932835-2932843-2940919--02500-2940981- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Von F. Gregorovlus. ' 865 Israel in seinem Ghetto und näht im Schweiße seines Angesichts an den Lumpen, die vor seiner Thür liegen. Nun aber kommen auch seine Feste. Der arme Hauflrer legt seinen Plunder beiseite, zieht sein bestes Kleid an und erhebt seine gebeugte Gestalt. Und gerade hier, glaube ich, ist die tiefste Poesie des Festes und ssein höchster Sinn zu finden, weil der festliche Mensch ans den Sklavenhandel! der Alltagsarbeit und ans dem staubigen Elend sich erheben und sich zu einem idealen Menschen verwandeln soll, der nicht seiner engen Kammer noch seinem dumpfen Nahrungsgeschäft, sondern dem Universum angehört. Dies seltsame Volk kommt dann festlich zusammen, nnd wo sie nur sitzen mögen, in welchem fernen nnd feindlichen Winkel der Erde es sei, schauen sie sich als das alte Volk Israel an, als Abraham's und Jakob's Kinder und als die Blüthe der Menschheit, welche Gottes eigene Hand mitten in die Welt gepflanzt hat. Ich wohnte dem Passahfest im Ghetto bei. Zufällig kam ich zu der Kunde von dem Tage, weil ich den Ghetto durchwandernd vor jeder Thüre blankgcscheuerte Kessel und an jedem Brunnen die Gefässe reinigen sah. Man sagte mir, es geschehe um des Osterfestes willen, das in einigen Tagen gefeiert werden solle. Das Osterfest der Juden gilt dem Andenken an die Auswanderung aus dem Egyptenland. Dem wundersamen Volk ist es ideelles Fretheitssest und ein tröstlich-prophetisches, zumal in Ghettogesangenschaft. Nach den großen kirchlichen Feierlichkeiten der Char- und Oster- Woche in Sanct-Peter und in der Sixtinischen Kapelle, welche im Verein so großer Werke und so großer Kräfte die allerhöchste Produktivn des christlichen Cultus sind, ist es ungemein anziehend, in jenem dunkeln Ghettowinkel einer Osterceremonte betzuwohnen und hier die uralten, kaum veränderten Grundlagen für jenen katholischen Cultus Roms aufzufinden. Es sind die Wurzeln dieses Cultus, und je prachtvoller der Baum sich entfaltet hat, desto tiefer begräbt sich seine Wurzel in die Nacht. Das Fest ward in der Synagoge gefeiert. Ich sagte schon, daß die Synagoge der Juden Roms dem Palast Cenct gegenüber liegt; sie vereinigt fünf Schuleu in einem Hause, die Scuola del Tempto, Catalana, Castigltana, Stctliana und die Scuola.nuova, woraus man erkennen wird, daß der römische 21«