Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 7 (April 1857)
- Article
- Der Ghetto und die Juden in Rom
- Date
- 1857-04-01
- Page
- 362 (sequence 7)
- Language
- German
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^62 Der Ghrtis ürib ii* Juden (n Rum. Wisscne, zerfaserte, avgeriebene Stücke und Stückchen. Ich habe nimmer ähnlichen PlUNder gesehen. Die Anden könnten damit die ganze Schöpfung aüsflicken und die ganze Erde so bunt belappen, wie ein ÄrlechiNo bunt ist. Sie sitzen nun davor und wühlen in dem Meer von Flicken, als suchten sie nach Schätzen, wenigstens nach einem versunkenen Goldbroeätchett. Denn sie sind so gut römische ÄlterthllmSforscher als alle Jene'in Rom, welche den Schutt durchwählen, um ein SäuleNstümpfchen, ein Stück Relief, eine alte Inschrift, eine Münze, ein EndcheN Statue und dergleichen Mär- Morplttnder ans Tageslicht zu fordern. Änd jener hebräische Winkelmann im Ghetto legt mit einem gewissen Stolz seine Lappen zum Verkauf aus wie der Händler mit Marmortrümmerchen. Dieser prahlt mit einem Stück Giallo antico — 'dagegen kann der Jude einen vortrefflichen Lappen gelber Seide halten; Porphyr — hier ist vortrefflich gemustertes Flickchen von tieftothem Damast. Vtzräs antico — hier ist ein schönes grünes Sammetstickchen von ausgesuchtester Antike. Und so gibt es weder Jaspis noch Alabaster, noch schwarzen Und weißen Marmor oder Breccia, wogegen nicht der Antiguar des Ghetto seine Alterthümer stellen könnte. Die Geschichte sämmtlicher Moden von Herodes dem Großen bis auf den Erfinder des Paletots und sämmtlicher Trachten der vornehmen wie der bürgerltchen Welt läßt sich aus diesen Lappen durch geistreiche Hypothesen kritisch Herausstellen, Uttd manche Flicken sind wahrscheinlich historisch und einst getragen worden von RomuluS, von Seipio Afrtcanus, HaNnibal, Äugustus, Veronika, von Karl dem Großen, Perikles, Kleopatra, Barbarossa, von Gregor VN., Columbils «. s. w. Es sitzen nun die Töchter Zions an diesen Lappen Und nähen, was nähbar ist. Groß ist ihre Kunst, so rühmt man, tM Sticken, Stopfen, Vernähen, und man sagt, daß es keinen noch so fürchterlichen Riß in irgend einer Draperie oder Gewandung gebe, welchen diese Arachnen nicht unsichtbar und spurlos zu machen wüßten. In der Ftumara zumeist, der untersten, am Fluß gelegenen Gasse, und in den Wtnkelgassen, von denen eine delle Äzzimelle, d. h. Gaffe der ungesäuerten Brode, genannt wird, treibt man diese Plundrrgeschäfte. Ich sah ihnen manchmal mit peinlichem Gefühl zu, wenn sie, bleiche und verkommen« Menschen, in sich gebeugt, Mit der