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Jeschurun · 1857-04-01 · Heft 7 (April 1857) · p. 361

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 7 (April 1857)
Article
Der Ghetto und die Juden in Rom
Date
1857-04-01
Page
361 (sequence 6)
Language
German
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Von F. GregoroviuS.. Zßl des Weinens geweiht sei, aus der andern steht der grausenerrcgende Name des Erbauers, Francesco Cenci. Es ist der Palast der Cenci — und hier saßt den Betrachter Schauder, gedenkt er der schönen Beatrice Cenci, des Francesco unglückseliger Tochter, der Mörderin eines ungeheuerlichen Vaters: und so waltet hier das Grauen jenes schrecklichsten aller Trauerspiele, welche die menschliche Natur erduldet hat, und gegen welches oie Tragödie vom Oedipus nur als ein herzbewegendes, doch mild versöhnendes Gedicht erscheint. Der Palast schaut über den kleinen Judenplatz hinweg gerade auf die jüdische Synagoge, in der an Festtagen die Psalnicn und Klagelieber der Hebräer sich hören lasten. Noch mehr — in diesem Palast wohnt der Maler Overbeck; freilich die Ironie ist wunderbar. In diesem Palast Cenci, wenige Schritte vom Ghetto und von der Judensynagoge, wohnt Overbeck und malt seine christlichen Bilder wie gleichsam unter der Inspiration des alten Testamentes und der Propheten. Es ist also hier beisammen, wie stch gebührt, Alres Testament und Neues Testament, und wenn ich zwischen dem Cencipalast und der Judensynagoge stehe, so ist es mir immer, als liege beides vor mir aufgeschlageu: Alter Bund und Neuer Bund, Judenthum und Chrtstenthum. Vor dem Jahre 1846 trennte »och eine hohe Mauer den Platz Cenci von dem Platze der Juden, welcher auch Piazza belle Scuole heißt. Hier befand sich das Haupthor des Ghetto; Mauer und Thor sind nun niedergerissen und der Schutt liegt noch zum Theil umher. Gehen wir mm in eine der Ghettostraßen selbst hinein, so sinden wir Israel vor seinen Hütten in voller rastloser Arbeit und im Mühsal begraben. Sie sitzen in den Thüren oder draußen auf der Gaste, die kaum mehr Licht gewährt als die feuchte und dumpfige Kammer, und wüsten im Plunderkram oder nähen und flicken emsiglich. Es ist nicht zu sagen, welches Chaos von Flicken und Lappen (Cenci genannt im Italienischen) hier zusammengehäuft ist. Die ganze Welt scheint als Judenplunder in zahllosen Fetzen und Lap- Pen zerzupft und zerrissen umherzuliegen. Haufenhoch liegen die Lappalien vor den Thüren, und jeglicher Art und Farbe, goldiges Franzengeflttter, Stückchen Seidenbrocat, Sammetläppchcn, rothe Flickchen, blaue Fetzchen, orange, gelbe, schwarze, weiße, alte, zer-

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