Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 7 (April 1857)
- Article
- Der Ghetto und die Juden in Rom
- Date
- 1857-04-01
- Page
- 358 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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!5;8 י Der Ghetto und dst Juden in Rom. Jahrhunderte hindurch gedauert hat;!so wenigstens hoffen wir, daß die Wacht der öffentlichen Meinung sich stärker zeigen werde als ein willküh.rliches Dornrtheil, wenn es sich in spaterer Zeit erneuern sollte, und daß die geringen Freiheiten, welche nunmehr die Hebräer errungen haben, sich auch so weit ausdehnen werden, daß ihnen ein ungeschmälerter Autheil an allen Gütern der Kultur und der Civtlisation gegeben werde. Die Aussichten stehen freilich in der Ferne, aber sie sind näher gerückt. , Gegenwärtig berechnet man die Gesammtzahl der Ghettobevölkerung aus 3800 Menschen, eine unverhältnißmäßig große Menge, überblickt mau den Meinen Raum des Ghetto, welcher an FlächenauSdehnung weniger beträgt als der fünfte Theil irgend eines Städtchens von 3000. Die ganze Judenschast (Universiln degli Ebrci) steht unter der obersten Kongregation der Inquisition, und ihr Speeial- Magistrat für alle civilen und criminellen Vorkommenheiten ist das Cardinalvikariat. Das Tribunal, welches sie richtet, besteht aus dem Cardinalvtkar, Prelato Vieeregente, dem Prelato Luogoteneute Ctvtle und dem Crimtnallieutenant. Zn polizeilichen Angelegenheiten übt die örtliche PMzeimagtstratur der Präsident der Region von San- Angelo und Campitelli. Die jüdische Gemeinschaft selbst hat das Recht, ihre innere Ordnung durch drei sogenannte Fattori bet Ghetto zu regeln, welche auf ein halbes Jahr gewählt werden. Diese sorgen für Exhaltung der Straßenordnung, für Erleuchtung und Brunnen, veMeilen die Abgaben auf die Einzelnen, tariren sie nach dem Vermögen, handhaben Krankenpflege, Almosenspeude und dergleichen. Im Ganzen beträgt die jährliche Abgabe des Ghetto an den Staat und an verschiedene religiöse Körperschaften gegen 13,000 Franks, Wir haben unsere Geschichte des Ghetto zu Ende geführt, doch soy sich damit diese Betrachtung noch nicht schließen. Denn aus eigener Anschauung wollen wir nun den Ghetto Roms in seinem gegenwärtigen Zustande kennen lernen- Wan gelangt zum Ghetto entweder von der Stadt her am Marcellnstheater und ay der Halle der Octavia durch die Straße der SavM, oder vom Trastevere über die Tiberinsel und die Brücke Quattro Capi. Von dieser Brücke übersieht man das schönste Und originellste Bild des antiken und mittelalterlichen Roms, ein Gemälde, dgs fremdartig und hinreißend ist, wie kaum ein zweites