Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 6 (März 1857)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1857-03-01
- Page
- 314 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Jüdische Dichter in Spanien non Dr. M. Kayserling. Wohnsitze und von Allen Denen, die ihn kannten, hoch geehrt, (vergl. *Wolf bibliotheca rabbinica III, 177, 205 f.) Kaum war er seinen Quälern entronnen und von seinen frühern Leiden ein wenig zn sich selbst gekommen, so faßte er den Entschluß, zum Lobe Gottes und zum Heile seiner noch die Sprache des feindlichen Heimathlandeö redenden Brüder, eine vollständige Psalmenübersetzung zu liefern. Zn der Vorrede zu derselben gtebt er uns die Gründe an, welche ihn zur Bearbeitung bewogen: ״Wenn wir in unsrer Betrübniß und bei unseren Qualen noch singen können, so wollen wir die Lieder singen, welche uns in unseren Leiden Trost bieten, uns Trost und Lob nnserm Herrn. Wir überlassen Anderen die Eitelkeit, Anderen eitcle Schriften, Comödien und Romanzen den Sängern fröhlichen Gemüths — wir behalten das, was uns eigen ist, und was bleibt uns Anderes als Bitteres? Wenn die Vefte, welche ich Dir biete, geliebter Leser, hinter den! Lieblichen der übrigen Dichter zurückstehen sollten, laß Dich nicht ermüden, lies inzwischen Besseres, — es kommt eine Zeit, wo auch nach meinen schlechten Versen du greifst. Ich bin kein Dichters habe nur Etwas von der Kunst gelernt — meine Verse können, ja kaum für solche gelten, sie wollen auch nicht gemessen, nicht nach Silben abgetheilt, sie wollen gefühlt werden, sic haben Etwas von jener natürlichen Einfachheit, welche mich in meiner Jugend, als ich die Regeln der Kunst lernte, beglückt und mich auch in meinen: Alter nicht verlassen hat." In solcher Weise erklärte Melo die Entstehung und das Wesen seiner Uebcrsctzung — er übersetzte nicht, wie etwa in unsrer Zeit, streng rythmisch, metrisch und elegant, er wollte nicht einer ganzen gelehrten Welt zeigen, daß die ganze gelehrte Welt trotz aller zu Raths gezogenen Wörterbücher und Commentarc und Hilfsquellen sich — in einer Wurzel oder in einem Ausdrucke geirrt habe; er dichtete aus innerem Gefühlödrange und übersetzte wie ein Anderer, der uns deutschen Juden die erste Psalmcnübersetzung lieferte, eine Ucbersetzung, welche bei allen ihren Mangeln, trotz der vielen einzelnen und in Bibelwerken vorhandenen, angeblich abweichenden und doch mehr oder weniger ihr folgenden, noch inimer ihre Vorzüge vor vielen Andern hat. Er übersetzte wie Moses Mendelssohn nicht in in der Ordnung nach einander weg, sondern er wählte immer einen solchen Psalm, der ihm gefiel, mit der Lage seines Gemüths über-