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Jeschurun · 1857-03-01 · Heft 6 (März 1857) · p. 313

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Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 6 (März 1857)
Article
Jüdische dramatische Dichter in Spanien
Date
1857-03-01
Page
313 (sequence 4)
Language
German
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VI. David Mcnatar Melo, der Psnlmendichier. 318 diese Herren höchst gefährlich war, auch nur ein Sterbenswörtchen Hebräisch zu verstehen. Ich furchte meine Leser zu ermüden, an diesem Orte doch längst verschollene Namen zu nennen; — wunderbar ist es, daß sogar die Jesuiten nicht verschont bleiben. Isla, um wenigstens ein Beispiel anznsühren, ein Jesuit, verfaßte ein Werk, von dem es heißt, es sei eine gewaltig feine und äußerst pikante Satyre gegen die Prediger, welche einen verkehrten Gebrauch von den Texten der Schrift machen, sic zur ungelegenen Zeit anwenden und ihnen ihren Zwecken entsprechende, oft lächerliche Erklärungen unterschieben, Erklärungen und Deutungen, an welche weder die Propheten noch der Psalmift gedacht haben. Das war freilich nicht fromm und dieser ״Don Quftotte der Kanzel" mußte dafür schon lange büßen. Ripalda, einer der gelehrtesten Theologen jener Zeit, von dem Nicol. Antonio in der bibliotheca erzählt, daß er im Geruch der Heiligkeit gestorben sei, lernte die Inquisition kennen — er verstand seine Portion Hebräisch und sollte ein — Jude sein. Auch der bekannte Historiker Mariana, der Erjesuit, wie er sich selber nennt, mußte es, wegen der 1599 veröffentlichten Schrift ״über den Geldwechsel" mit der Folter versuchen; — seine jndenfeindliche, oft lügenhafte, die Einführung der Inquisition als eine Gabe Gottes preisende Geschichte Spaniens hatte er bereits geschrieben. Diese und viele Andere schmachteten mit Melo zu gleicher Zeit, bis er endlich, nachdem seine Schuld oder Unschuld anerkannt wav, in Freiheit gesetzt worden ist. Es war dieses 1611, im Todesjahre der Königin Margaretha, der die Chronisten außerordentliche Frömmigkeit beimcffen und welche den Auto-da-Fes mit vielem Vergnügen und großem Wohlbehagen beiwohnte; sie starb bei der Entbindung und ihr kleiner Sohn folgte ihr bald in die Seligkeit. Wie zu erwarten steht, wandte Melo sofort dem Lande der Bedrückung den Rücken, und arm und elend, an Leib und Geist gedrückt, folgte er seinen Genossen nach Amsterdam, der Stadt, wo, wie eine wichtige Person Berlins, die in der Finanzwelt bedeutende Stimme hatte, im Jahre 1758 so naiv sich airödrückte, ״die Kinder Israels ohne Gefahr reich sein können." ״Die Inquisition war mir," heißt es in der Vorrede zu Melo's Psalmenübersetzung, ״eine Schule, sic bat mir neuen Unterricht in der Erkenntuiß Gottes ertheilt." Er war später Synagogen-Vorsteher in seinem neuen

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