Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 6 (März 1857)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1857-03-01
- Page
- 312 (sequence 3)
- Language
- German
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312 Jüdische Dichter in Spanien von Dr, M. Kaiserling. Gewissens. Wohl Denen, die sich rühmen können, wie David Aben atar Melo, als Sieger ans dem Kampfe hervorgegangcn zu sein! Mehr als 60 Jahre waren bereits verflossen, seitdem das furchtbare, Grausen und Entsetzen erregende Edikt der allcrchrtstlichstcn Majestäten — dieser Titel war die einzige Errungenschaft des Erlasses von 1492 — zur Ausführung gekommen war, als unser Dichter David Abenatar — auch ben Atar, ibn Atar — Melo das Licht der Welt erblickte. Trotz der Ungeheuern Anzahl unglücklicher Juden, welche durch jenen Befehl thcils aus Spanien verjagt, theils im Lande selbst den Tod fanden, gab es doch immer noch eine beträchtliche Menge, welche dem heiligen Ossicium als Nahrung und Speise vorgeworfen werden konnten. Da befand sich in jeder Stadt ein Tribunal, in jedem Jahre gab cs wenigstens einen Feiertag — ich meine ein Auto-da Fe und bei jedem Auto-da Fe ergötzte man sich an den Jndaisirendcn. So wüthete dieses feuerschnanbende Tribunal, bcffen Gestalt, wie ein spanischer Jude in einer Trostrede an seine Brüder es schildert, der des Löwen und der Schlange in der Wüste Afrika's gleicht, dessen Athem tvdtct, wie der des Basilisken. Aus Mund und Augen speit cs ohne Aufhören zerstörende Flammen, wo es hinkommt, verwandelt es das Licht in Finsternis;, und seine Füße vertrocknen All s unter ihren Tritten wie in dem Sande Syriens. Melo war mit einem klaren Geiste und einem tiefen Wissen begabt. Mehr aus natürlicher Neigung als durch die Erziehung dazu geleitet, widmete er sich, wie er selbst erzählt, der Poesie und übertrug einige Davidische Psalmen ins Spanische. Diese unschuldige Manifestation seines poetischen Talents führte ihn sehr schnell in die finstern, nur selten von einem Sonnen- und Lichtstrahl erhellten Kerker, wo er alle erdenklichen Mühseligkeiten ertragen mußte. Wenn das Bewußtsein den Trauernden und Leidenden tröstet, daß noch Andere mit ihm dasselbe Schicksal trifft, so konnte Melo allerdings darin Trost finden. Es war dieses nämlich die Zeit, wo die heilige Inquisition, trotzdem geheime Juden, Lutheraner, Calvintsten, Hugenotten und Ueberbleibsel der Moriskos noch in Menge vor- Händen waren, es ganz besonders aus die mystischen Professoren der 8. Tb., d. h. der heiligen Theologie abgesehen hatte und es für