Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 6 (März 1857)
- Article
- Bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden mit den Christen
- Date
- 1857-03-01
- Page
- 307 (sequence 6)
- Language
- German
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der Juden mit den Christen. 307 Stimme gewürdigt; die alten, nicht länger mehr haltbaren Scheidewände stürzten zusammen, und in deni Genüsse unbeschränkt gleicher Rechte mit ihren christlichen Brüdern vergaßen die Juden in einem halben Dccennium kindlich schnell den schmählichen Druck von fast zwei Jahrtausenden. Weder die Regierungen noch die Volker hatten diese in manchen Staaten den gewöhnlichen langsamen Entwickelungsgang überschreitende Gleichstellung zu beklagen. Die Hinneigung der Juden zu Künsten und Wissenschaften und überhaupt zu allen dem Staate sich nützlich erweisenden Gewerben datirt sich zunächst von dieser Menschenwürdigern Stellung, und wenn die Juden gleichwohl ein Krämer- Volk genannt werden, weil sie jetzt nicht völlig dem Erwerbszweig entsagen, zu welchem sie einst durch die Gewalt christlicher Regierungen ausschließlich verdammt waren, so beweisen doch die Statistiken aller Länder, daß, abgesehen von dem Zahlcnverhältniß, die kleinste Zahl unter den sittlichen Verbrechern dem jüdischen Glauben angehört. Und trotz dieser Erfahrung ist man bereits in einigen deutschen Staaten hinsichtlich der politischen Stellung der Juden wieder zurückgeschritten, und die Gefahr noch nicht ganz beseitigt, die in einem der intellegentesten deutschen Länder durch Entziehung politischer Rechte den Juden und in den nachtheiligen Folgen eines unnatürlichcn Rückschrittes dem Staate selbst drohet. Denn wollte sich Letztcrer auf die Unverwüstbarkcit der jüdischen Moralität stützen, so rann dieses rühmliche Zcugniß doch nur der größer!! Mehrzahl, un» möglich aber der totalen Masse zuerkannt werden. Dazu kommt aber noch, daß eine sündliche Ursache durch eine günstigere, als die naturgemäß zu erwartende Wirkung ihr Verwerfliches und Strafbares nicht verliert. Darf man sich wundern, daß die Juden das Ungcwitter, das sich in solchen Rückschritten über ihrem Haupte zusammeuzteht, in Angst und Schrecken versetzt? Darf man sich wundern, daß die Juden mit verzweifelter moralischer Kraft ihr erbetenes, aus gesetzlichem Wege erlangtes und in keiner Weise durch Misbrauch entwürdigtes Bcsttzthum festzuhalten suchen? Darf man sich wundern, daß bei der preußischen Volksvertretung Petitionen zu Hunderten ctnliefen, wenn es noch in frischem Andenken ist, daß die preußt-