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Jeschurun · 1857-03-01 · Heft 6 (März 1857) · p. 308

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 6 (März 1857)
Article
Bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden mit den Christen
Date
1857-03-01
Page
308 (sequence 7)
Language
German
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808 Bürgerliche und politische Gleichstellung schen Juden ein Gleiches gethan, als mau ihre heiligste Untcrthanen- Pflicht antasten, als man sie von der Ehre des Militärdienstes ansschließen wollte? Wenn auch lebende Völker vergessen — die Völkergeschichte vergißt nicht, wie die Juden in den Befreiungskriegen weder Gut noch Blut geschont; wie sie im Patriotismus und den damit zusammenhangenden anderen Tugenden mit ihren christlichen Brüdern gewetteifert und auf den Wahlplätzen mit dem Schwerte in der Hand ihre Vaterlandsliebe bekundet haben. Diese Vaterlandsliebe, diese unverbrüchliche Treue gegen ihre angestammten Regentenhäuser ist bei den Juden — ihre Geschichte bezeugt es in ihrem Verhalten gegen Usurpatoren — ihren übrigen Nationaltugenden zuzuzählen. Und doch konnte denkenden Männern die völlige Gleichbcrechtigung der Juden mit ihren christlichen Brüdern eine unerklärliche, gespensterartige Furcht einflößen? Wo, in irgend welchem deutschen Staate könnte ein Jude, bei völliger Gleichberechtigung, eine so hohe und einflußreiche Stellung einnehmen, wie die eines Lord-Mayors in der ersten Weltstadt? Hat man sich gescheut, einen Juden zu diesem Ehrenamte zu wählen , oder hat sich Ursache gezeigt, diese Wahl zu bereuen? Größere Vormthetlc als wir Christen je gegen die Juden gehegt, hegten noch im gegenwärtigen Deccnnium die Bekenner des Islams gegen Christen und Inden in gleicher Weise. ״Gleichstellung der verschiedenen Cnlte und Nationalitäten" wird gleichwohl bei ihnen, wie sie bereits ausgesprochen, so auch zur Geltung und Ausführung gelangen. Und die Kraft der Wahrheit sollte im Occident nicht bewirken, was das blutige Schwert im Orient bewirkt hat? Die Pforte sollte hinsichtlich der innersten, wahrhaftesten Ctviiisatton deutschen Ländern den Rang streitig machen? Die Moslemin!, nur in Nebenverwandtschaft zu den Juden stehend, sollten die Bruderliebe vollkommener als Christen üben? Der alte Jndeneid, von Afterwcisheit und Gespensterfurcht ersonnen, belehrt uns, wohin Vorurtheile selbst Gesetzgeber führen können. Wir erröthen, wenn wir in dem alten sächsischen Recht lesen, durch welche Mittel man sich der Gewissenhaftigkeit der

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