Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 6 (März 1857)
- Article
- Bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden mit den Christen
- Date
- 1857-03-01
- Page
- 305 (sequence 4)
- Language
- German
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der Juden mit de» Christen. 305 Wahrheit an, daß seine Apostel sich als Juden betrachteten und als solche den jüdischen Gottesdienst mit verrichteten. ״Prüfen wir nun die logischen Conscquenzen dieses berechtigten Glaubens!" fährt der Bersasser fort: ״Blicken wir zurück auf die Stellung der uns stammverwandten Juden, wie sie ihnen von uns Christen ist breettet worden!" ״Wir wollen nicht, wie der vom Vater verfluchte Ham, die Blöße des berauschten Erzeugers sehen! Wir wollen, wie Sem und Japhet, den Mantel der kindlichen Liebe rückwärts auf die Gräuelthaten decken, die sich unsere Ahnen in vermeinter Berechttgung gegen die Nachkommen Derer erlaubten, die unfern Heiland in seiner erhabenen Mission nicht erkennen wollten, weil sie ihn auf ihrem nieder» geistigen Standpunkte nicht begreifen konnten. Die Geschichte dieses Volks, von christlichen wie von jüdischen Gelehrtcn, und von Ersteren gewiß nicht mit günstigem Vornrthetl, bearbeitet, legt ZeUgniß von jenen Gräuelthaten ab. Während der Stifter unserer Religion in seiner unerschöpflichen Liebe, mit welcher er insbesondereseinem Volke zugethan gewesen, die ewig denkwürdigen Worte sprach: ״Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun!" während nach dem Gesetze Mosis, von welchem unser Heiland selbst sagt, er sei nicht gekommen, es aufzulösen, sondern zu erfüllen, nicht Eltern für die Kinder, noch Kinder für die Eltern, sondern Jeglicher nur für seine eigcne-Sünde sterben soll (5. B. M. 24, 16.), haben wir, die Bekenner der Religion der Liebe, durch fast zwei Jahrtausende unersättlich eine Blutrache geübt für ein mehr überirdisches, als körperlich-menschliches Wesen, das nur auf die Erde kommen sollte, die Menschheit durch sein Blut zu erlösen. Mit dem christlichen Bildungsstande der Neuzeit konnten sich übergekommene Rachegefühle nicht länger vertragen; wohl aber sinden sich Vorurtheile auch mit sonst nicht zu bestreitender Intelligenz gepaart, und so suchte man für diese Halt und Begründung in den vorgeblichen inner» Unterscheidungsmerkmalen der beiden Religionen, bis durch die dadurch hervorgcrufene religiöse Polemik auch die Gegner der Juden zu der Erkenntniß kamen, und weil sie sich der offenkundigsten Wahrheit nicht entschlagen mochten, vor aller Welt sie auch eingestanden: ״daß die Juden dem christlichen Staate durch ihre Religion — 18»