Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1857-03-01 · Heft 6 (März 1857) · p. 296

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 6 (März 1857)
Article
Erwiederung auf eine Replik des Herrn Löw, Rabbiner in Szegedin, Verfassers der "Praktischen Einleitung in die heilige Schrift und Geschichte der Schriftauslegung"
Date
1857-03-01
Page
296 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2932754-2932835-2932842-2940800--02394-2940869
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

296 Erwiderung auf eine Replik des Herrn Liw!c. der wahre und eigentliche Sinn der beiden Mischna's unbequem ist, darum behauptet er, daß die Worte אס הלכה נקבל ואם לדין יש חשובה bisher von ״den Commentatorcn schlecht verstanden worden sind"!! Also Raschi, R. Joseph Chabila, Obadja Bartenora, R. Jom Tob Heller und noch viele andere seit Jahrhunderten gefeierte Koryphäen der jüdischen Wissenschaft müssen es bedauern, nicht Herrn Low zum Lehrer gehabt zu haben, da sie ja erst von ihm über einen so wichtigen talmudischen Ausdruck die wahre Auskunft erhalten und erfahren hätten, daß der Sinn jener Stelle sei: ״Wenn (das, was du vorträgst) etwas ist, was gang und gäbe ist, dann wollen wir cs annehmen k. k." Es wird wohl jeder einsehen, welcher Unsinn in dieser Erklärung liegt; und welche Keckheit es von Hrn. L. ist, die Meinung verbreiten zu wollen, daß erst seinem Geiste und seiner Weisheit die Ergründung des richtigen Sinnes der Mtschna Vorbehalten war, möge ebenfalls jeder Leser nach eigener Einsicht beurtheilen. Ebenso nichtig ist auch der letzte Beweis, den Hr. L. für seine Ansicht anführt, indem er sich auf Kidduschin 38 b bezieht, wo es heißt: ערלה הלכה והבלאי׳ מדברי סופרי' מאי הלכה אמר רב יהודה אמר שמואל הילכחא מדינה עולא אמר ר' יוחנן הלכה למשה מסיגי diese Stelle beweist für den fragliche:! Gegenstand gar nichts in ehr als die jedem Talmudkundigen bekannte Thatsache, daß das Wort הלכה zuweilen im Talmud auch auf solche Vorschriften angewendet wurde, die durch den Gebrauch festgesetzt worden sind. Wäre aber Halacha wirklich, wie Hr. L. meint, nichts weiter als das ״was gang und gäbe ist", wie wäre cs dann möglich, die angeführte Stelle in einer auch nur einigermaßen vernünftigen Weise zu interpretiren? wie wäre es dann möglich, bet der Frage über ערלה כחוצה לארץ den Ansdruck הלכה למשה מסיני zu erklären?! Diese Frage wird Hr. L. nicht zu beantworten suchen, ebensowenig als er cs versuchte, die Gründe, die wir in unserer Rezension gegen seine Erklärung aufstellten, zu widerlegen oder auch nur auf dieselben einzugehen, und wir finden daher bei jeder Stelle, die er zu seiner Vertheidignng anführt, den Satz סניגור נעשה קטיגור־ vollkommen bewährt, was aber gar nicht befremden kann, denn je mehr Talmndstellen Hr. L. angeführt hätte, desto mehr Beweise hätte er gegen seine Ansicht aufgestellt. Die Lüge kann man nicht in Wahrheit umwandclu, wenn man sie auch durch noch so viel blauen Dunst zu verhüllen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.