Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 6 (März 1857)
- Article
- Erwiederung auf eine Replik des Herrn Löw, Rabbiner in Szegedin, Verfassers der "Praktischen Einleitung in die heilige Schrift und Geschichte der Schriftauslegung"
- Date
- 1857-03-01
- Page
- 295 (sequence 7)
- Language
- German
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Von Dr, Gugmhetmer. 295 eine סוגיא דעלמא, ein im Leben eingefnhrter Gebrauch vorhanden sein konnte, woraus erhellt, daß zwischen הלכה und סוגיא ein sehr großer Unterschied ist; wir sehen ferner aus der angeführten Stelle, daß man nur in solchen Fällen, für die noch keine הלכה festgesetzt war, nach der סוגיא, dem Gebrauche, sich richtete, was zur Genüge zeigt, daß הלכה, wenn man den talmndischen Sprachgebrauch nicht ganz ignoriren will, keineswegs als Bezeichnung dessen, ״was gang und gäbe ist" betrachtet werden kann. Unbegreiflich aber ist es, wie es Hrn. L. in den Sinn kommen konnte, zu behaupten, daß Onkelos das 2. B. M. 26, 30 vorkommende Wort כמשפטו darum durch 'כהילכחי übersetzte, weil jenes Wort an dieser Stelle us st eoutums ״Gebrauch und Gewohnheit" bezeichnet; jeder Schulknabe muß diese Behauptung lächerlich finden, da es wohl bisher noch Niemanden beigefallen ist, daß zu Mosche's Zeit ein ״Gebrauch" oder eine ״Gewohnheit" hinsichtlich der Erbauung des משכן vorhauden war. Es ist daher die Thatsache, daß an jener Stelle, auf die wir bereits in unserer Rezension hinwiesen, das Wort כמשפטו כהלכה׳' übersetzt ist, ein deutlicher Beweis, daß das Wort הלכה schon in der ältesten Schrift, in der es vorkommt, nicht das, ״was gang und gäbe ist", nicht das dem Gebrauche, dem Leben Anheimgestellte bezeichnete, sondern für die Regel, die Vorschrift, die Satzung, die das Leben beherrsche» sollte, gebraucht wurde. Daß übrigens Onkelos an den meisten Stellen das Wort משפט durch;הי übersetzt, hat, wie wohl jeder, der die Bedeutung dieser Worte kennt, durchaus nicht den vpn Hrn. L. angegebenen Grund; von großartiger Unwissenheit und Begriffsverwirrung zeugt es daher, daß Hr. L. vermuthet, daß Onkelos bei seinem Gebrauche der Wörter;הי und הלכה auf den Unterschied hätte Hinweisen wollen, der in der Mischna Jebamot VIII 3, Keritot III 9, zwischen diesen beiden Worten aeiSgef^ro^en ist; es geht aus jenen Stellen mit Evidenz hervor, daß mit dem Worte הלכה das durch Neberlieferung (wenn auch nicht immer sinaitische) feststehende Gesetz, mit dem Worte;הי eine durch Anwendung einer Jnterpretationsregel ausgestellte Thesis gemeint ist. Diese von den Commentatoren ansgestellte, einzig und allein richtige und annehmbare Erklärltiig ist daher gleichfalls ein entscheidender Beleg gegen die Behauptung des Hrn. L.; dies; kann aber einen Skribenten, wie Hr. L., nicht in Verlegenheit bringen; weil ihm