Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 6 (März 1857)
- Article
- Erwiederung auf eine Replik des Herrn Löw, Rabbiner in Szegedin, Verfassers der "Praktischen Einleitung in die heilige Schrift und Geschichte der Schriftauslegung"
- Date
- 1857-03-01
- Page
- 292 (sequence 4)
- Language
- German
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292 Erwiederung auf eine Replik des Herrn Löw re. Die von Hrn. L. angeführte Stelle beweist daher gar nichts für seine Ansicht, was er allerdings gewußt zu haben scheint; hiedurch läßt sich aber Hr. 8. nicht beirren: er führt die Stelle an, um den Lesern Sand in die Augen zu streuen, glaubt wahrscheinlich, daß man bei seiner Versicherung on est convaincu ä l’instant qu’il n’y est pas question de la priorite du rang nicht den leisesten Zweifel zu hegen wagt, führt einige Worte an, die ihm eine Stütze bieten, macht es sich aber mit denen, welche deutlich gegen seine Ansicht sprechen, sehr bequem, indem er sie — wegläßt. Hr. 8. ist wirklich zu bedauern, daß er zur Rettung der Litcratenehrc zu solchen Mittel seine Zuflucht nehmen muß. Von besonders reicher Phantasie zeugt aber die Art und Weise, in der Hr. 8. seine Aeußerung, daß Mosche, durch die Thora ״den Grund zu einer Sammlung heiliger Schriftwerke, legte" zu beweisen versucht. Dem Anlaufe nach, den er hiezu nimmt, könnte man glauben, daß er einen schlagenden Grund für jene Behauptung hätte, denn er sagt: ״Aber die Thora sagt ausdrücklich: ״Mosche befahl den Leviten: Nehmet dieses Buch der Lehre, leget es zur Sette der Bundeslade" (Deut. 31, 25. 26.)! Beweisen die biblischen Worte nicht genügend, daß Mosche der Gründer der heiligen Literatur war?" Wir müssen , gestehen, nicht begreifen zu können, wieso Jemand, der auch nur etwas gesunden Menschenverstand hat, in dieser Schriftstelle, in der einfach der Ort angegeben wird, an welchem die Thora aufbewahrt werden sollte, auch nur die leiseste Htndeutung darauf finden kann, daß die Thora nicht 'על פי ד geschrieben wurde, sonder« daß Mosche durch dieselbe, ״den Grund zu einer Sammlung heiliger Schriftwerke legte." Wir können uns auch gar nicht denken, daß es Hrn. L. wirklich ernst ist, jene Schrtsstellc als Beweis für seine Ansicht zu betrachten; wäre er aber mit der jüdischen Exegese auch nur einigermaßen vertrant, so wäre er wohl auf den Gedanken gekommen, daß der in der erwähnten Stelle ausgesprochene Befehl gerade darauf Hinweisen sollte, daß die Thora ebenso wie die Bundestafeln, ans denen sich der Dekalog befand, ganz unmittelbar von Gott gegeben worden. Besondere Unwissenheit verräth aber Hr. 8. durch die Aeußerung, daß man nach der in unserer Rezension ausgesprochenen Ansicht ״die biblischen Schriftstellcn, welche die Thora חורת משה nennen, der Ketzerei anklagen müßte." Nach