Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 6 (März 1857)
- Article
- Adar
- Date
- 1857-03-01
- Page
- 277 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Haman's ethnographische Schilderung der Juden. 277 fallen freilich ihre Bekenner so auf, nimmt alle Welt Anstoß an ihnen, erscheinen ihre Gesetze ״so absonderlich von allem Volke", רתיהם שונות מכל עם , aber eben darum, und darum allein ging sie ihrem Volke nicht, und ihr Volk ihr nicht verloren in dem Drange aller dieser Jahrhunderte, war sie im Stande, ihr Volk hinzustreuen über die weite, wette Erde, und in jedem ihrer Söhne einen Herold ihres Reiches zu erwarten. Wäre das jüdische Gesetz so eine Tempel- und Ktrchen-Religion wie alle andern Religionen der Erde, wäre sie wesentlich synagogal, ginge ihr Wesen in die Synagoge auf, wie es die getäuschten und täuschenden Söhne des modernen Abfalls nennen und lehren, dann wäre freilich die Absonderlichkeit dieses zerstreuten Volkes kaum vorhanden, kein Mensch nähme Anstand an ihm, es wäre Allen gerecht; warum sollte man denn nicht auch die Synagoge neben Moschee und Kirche dulden, findet man sich' doch im Cabaret und am Table d'H6te gemüthlich zusammen! Denn nicht die ״Religion", die nur Synagogen fordert, das ״Gesetz", das auch den Tisch und die Ehen erfaßt, hat dieses zerstreute Volk zum Gesonderten gemacht. Wäre aber das Judenthum eine Religion der Synagoge und nichts als das, längst wären seine Bekenner untergegangen in die Masse der Völker, nimmer wäre der Jude zu einer solchen Selbstständigkeit sonder Gleichen erstarkt, die ihn befähigte Herold des Alleinigen zu werden. Bedürfte seine Religion wesentlich der Priester und Tempel, wäre auch ihm Kirchengottesdienst Gipfel und Kern seiner Religion, wo wäre die Religion den Vereinzelten, und wo wären die Vereinzelten ihrer Religion verblieben, die am Meeresstrand, in Gcbirgsthälern, oder in der Unduldsamkeit der Residenzen und Bevölkerungen nur vereinzelt ihre Hütten bauen konnten, ohne Kirchen, ohne Geistlichkeit, ja ohne Gemeinsamkeit der Gemeine? Aber תורת ד'תמימה , die das ganze Leben als Gesetz erfassende Gotteslehre, die das ganze Leben zum Gottesdienst erhebt, ja das Leben erst den wirklichen, wahrhaftigen Gdttesdienst sein läßt, den Tempeln nur die Wurzeln, Blüthen und Frucht aber dem Leben außer den Tempeln überweist — שחולים בבית ד' ,בחצרות אלדינו יפריחו — nur diese Lehre, dies Gesetz, diese ״von allem Volk so absonderlichen Gesetze"/ vermochten das ganze jüdische Leben zu einer Gott verherrlichcnden Hymne zu gestalten, vermochten den Juden zum Priester, seine