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Jeschurun · 1857-03-01 · Heft 6 (März 1857) · p. 276

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 6 (März 1857)
Article
Adar
Date
1857-03-01
Page
276 (sequence 6)
Language
German
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276 Arat. Bedürfniß" genügt, das ganze außerkirchliche Leben verdankt hingegen andern Elementen seine Bewegung und Entwickelung; hier aber fällt Gesetz und Religion zusammen, es giebt nur Ein Element des Lebens, alle Seiten des Daseins und der Entwickelung des Menschlichen sind von Einem und demselben Gottcsgedankcu getragen und gestaltet, und gerade die Momente des ״außerkirchlichen" Lebens, in welchem das Religiöse seine Gestaltung gewinnt, sind das wesentlich Religiöse, sind die eigentliche Religion, die sich darum auch ״Gesetz" nennt. Ucbcrall ist wie Gesetz so auch Religion ein Erzeugniß der jedesmaligen Bildungsstufe der Völker, sie hat darum wie diese einen Anfang, einen Fortschritt, eine Entwickelung, eine Geschichte, sie ist ein integrirender Theil der Cultnrgeschichte der Nationen. Sie entwickelt sich mit der Zeit. Sie kann auch von der Zeit überholt werden, sie darf daher nicht hinter der Zeit zurückbleiben, sie muß Schritt halten mit dem Bildungsgänge der Zeit. Hier aber ist sie das Absolute, in sich Vollendetgegebenc, ׳>st das hochaufgesteckte Höhezicl, zu welchem alle Geschlechter in allen Zeiten sich emporzuringen berufen sind, sic ist das Ideal, zu welchem, und die Seele, durch welche sich das Volk entwickeln soll, sie ist aber nicht ein Keim, der erst durchs Volk zur Entwickelung käme. Sie ist die Erzieherin der Zeiten, sie ist aber Nichts, das erst von den Zetten in Erziehung zu nehmen wäre. Sic ist allen Zeiten voran; denn sie ist das Muster eines nach dem Willen des Welten- und Menschheit-Vaters vollendeten Einzeln- und Gesammtlebcns, zu dessen vollen Erfüllung Israel und mit ihm die Gesammtmcnschheit pilgert. Sie ist die einzige Höhe »nd das einzige Ziel. Jeder Weg zu ihr ist Fortschritt uud jede Entfernung von ihr — mit welchem Glanze sie sich auch sonst umgeben möge — ist Gesnukenhcit und Rückschritt. Alle andern Religionen sind ein Erzeugniß des Menschen; sic allein ist, öoit Gott. Alle andern Religionen fordern nur einen Bruchtheil des Menschen; sie allein fordert den ganzen Menschen, das ganze Dasein und das ganze Leben Und weil sic dieses fordert und nur weil sic dieses fordert, weil sic sich nicht mit einem Paar Andachtsregungen in dem Dämmerdunkel eines Tempels begnügt, sondern ihre Anforderungen im ganzen häuslichen und socialen, privaten und öffentlichen Leben zur Geltung bringt, eben darum

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