Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1857)
- Article
- Der Ghetto und die Juden in Rom
- Date
- 1857-02-01
- Page
- 259 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Von F. Gregvrvviur. 259 ausstieß und die Blumen aus den Becken über das Gesetz geworfen wurden. Die zur Erde fielen, rafften die Judenwciber auf, welche dem Zuge folgten, undverwahrten fie als Heiligthum in ihrem Buscn. Vier Ordner hatte der Zug selbst, in Erinnerung der vier Gefangenschaften Aegyptens, Babylons, Roms und der Gegenwart. Der Erzbischof endlich wurde neben dem Dom auf einer kostbar ausgezierten Loge von 16 Juden empfangen; er stand aufrecht mit der Mitra und dem Bischofsstäbe; und nachdem ein Jude sich das Haupt mit dem Hut bedeckt und den Talet darüber gezogen hatte, rccitirte er ein Compliment, welches der Monsignore Erzbischof von Korfu in ähnlicher Weise rccitirte. Man sieht, eine so prächtige Procession in echt national-südischem (?) Charakter konnte wohl in Korfu gehalten werden, aber niemals in Rom. Hier, wo das Chrtstenthum oder dessen Cultus wesentlich in der Form der Procession auf tritt, hätte ein nationalhebräischer Aufzug das Volk belehrt, daß der katholische Pomp in seiner größten Hälfte, wo er nicht entweder altheidnisch oder mittelalterlich-christlich, doch nur ein Abbild alter (?) Judenprvccssionen ist. Doch war nicht dies der Grund, warum die Juden in Rom nicht also feierlich auftraten; von ihm zu reden, wäre übersiüssig. Eine mofatsche öffentliche Darstellung hätten die römischen Gaffenjungen gesteinigt, und sie würde in dem Meer des Volksspottes ertrunken sein. Auch hüteten sich die Inden wohl, Gold und Silber sehen zu lassen, und erschienen sie im Aufzug vor den Päpsten, so trugen sic nur zur Schau Armuth und bürgerliches Elend, Angst und Zitlern und jammervolle Knechtsgeberden. Wir kehren nun zu den Schicksalen der Juden unter den Nachfolgern jenes Paul II. zurück, welcher die Hebräer beim Carneval zuerst rennen ließ. Bald bedrückt und bald erleichtert, wie namentlich von Paul III. Farnese, einem Römer, entschied sich ihr Schicksal unter der Regierung Paul's IV. Dieser Neapolitaner aus dem fanatischen und gewaltthätigen Hause Caraffa, Theatiner, Jnquisitor, Begründer der Martcrkammern und der Censur in Rom, ein schonungsloser Reformator von eiserner Härte, war kaum auf den päpstlichen Stuhl gelangt, als er im Jahre 1555 die Bulle Cum nimis absurdum erließ, welche die Stellung der römischen Judenschaft regelte. Er widerrief alle früher« Privilegien oder Er-