Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1857)
- Article
- Der Ghetto und die Juden in Rom
- Date
- 1857-02-01
- Page
- 258 (sequence 4)
- Language
- German
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258 Der Ghetto und dke Zudcn ■Itt Rom. war so köstlich ausgeziert und gebunden, daß es gegen 500 Scudi soll gekostet haben. Solches waren also die merkwürdigen, durch Lokal und römische Färbung ausgezeichneten Judenceremonien bei päbstlichen Huldigungen. Aber auch unter anderen Verhältnissen fand Aehnliches statt; denn in Korfu, so wird in Morini's ״Dizionario“ erzählt, beglückwünschten die Juden den neugewählten Erzbischof mit großer Feierlichkeit. Als im Jahre 1780 der Erzbischof Francesco Maria Feuzi seinen Einzug in Korfu hielt, sah man ein seltsames Schauspiel von den Juden aufführen. Ihren Zug eröffnete ein Jude in italienischer Kleidung mit einem Feldherrnstab, ihm folgten drei Juden als die drei Erzväter mit längeren Stäben; dann zwölf italienisch gekleidete Jünglinge, die zwölf Stämme darstellend, ein jeder einen silbernen Apfel in der Hand; hinter diesen andere zehn Jünglinge mit dem Mantel Talet über den Schultern, darstellend die zehn weisen Rabbiner, die Conservatoren des mosaischen Gesetzes zur Zeit Cäsar's. Es folgten elf Jünglinge mit Blumen in den Händen, die elf Brüder Josefs, und vier Diener, gleich als gingen sie zum König Pharao. Hieraus acht Männer mit Gefäßen und Palmen, die acht Conservatoren des Gebots der Beschneidung; sodann 24 Juden, die Doppelzahl der Stämme, mit silbernen Gerüchen und Becken und Handschuhe in den Händen, die Blüte Israels darstellend. Es folgte ein Zug von 48 andern Inden mit Pelzmütze»; diesen aber sechs Vorsänger, die aus Büchern Psalmen sangen. Hierauf vier Juden in großen Perücken mit Stäben; diesen folgten 15 Judenjünglinge mit dem Urim und Thummim auf der Brust; weiter ein Zug mit Früchten und Palmen, worauf wieder Vorsänger. Sodann die vier Hohenpriester Moses, ,Aaron, David und Salomo; ihnen folgten die Leviten. Es schritten dahinter die drei Männer aus dem feurigen Ofen. Den Zug schloß der steinalte Großrabbiner, welcher wie das leibhaftige Fasten aussah, in einem, langen 'weißen Gewände, ihm zur Seite zwei Greise, Becken voll von Blumenblättern in den Händen haltend. Dahinter aber ward endlich der Pentateuch getragen, behängt mit Schellen, Aepfeln, Krvneu und anderm Schmuck von Silber, unter einem weißen Baldachin, den vier Großjuden trugen. An sechs Orten der Stadt Korfu wurde her Pentateuch geöffnet, wobei alles Judenvolk ein lautes Geschrei