Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1857)
- Article
- Geschichte der Juden
- Date
- 1857-02-01
- Page
- 237 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Rabbi Josua, ״der Mann her goldnen Mitte." ZA7 ״Euch sagen. Gar nicht zu trauern, ist nicht möglich; denn es ist ״schon verhängt. ׳*) Uebermäßig zu trauern, ist auch nicht möglich, ״denn man legt der Gesammtheit keine Bestimmung auf, wenn nicht ״die Mehrzahl dabei bestehen kann; denn cs heißt (Malacht 3): Ihr ״habt es euch mit Eidesstuch auferlegt und verkürzt mich doch, ״Volksgesammtheit! Sondern so haben cs die Weisen be- ״stimmt: אלא כן אמרו חנטה : mau überkalkt sein Haus und läßt ״ein Weniges unüberworfen; man schafft alle Bedürfnisse zum Gast- ״mahl und läßt ein Weniges mangeln; ihren vollständigen Schmuck ״bereitet־ das Frauenzimmer und läßt ein Weniges fehlen. Denn ״es heißt: Wenn ich dein; Jerusalem, vergesse, möge meine Rechte ״Alles vergessen, möge u. s. w." Welcher Unbefangene sieht nicht, daß R. Josua hier gar nicht in eigener Autorität hintreten, gar nicht einen neuen, ihm eigenen Grundsatz anösprechen, sondern nur berichtend nnd berichtigend mittheilen wollte, was von den Chachamim, also nicht von ihm, hinsichtlich der Trauer um Jerusalem bestimmt worden, und welcher Grundsatz sie dabei geleitet, daß sie diese Trauer aus ein Minimum beschränkt. R. Josua konnte aber auch noch damals gar nicht in eigener Autorität sprechen; denn er hatte damals noch gar keine Autorität. Das hätte ein kritischer Historiker nicht übersehen dürfen. Gehalt und Wortlaut setzt ja diese Erzählung unmittelbar nach der Zerstörung des Tempels, in eine Zeit, wo R. Josua noch Schüler des R. Zochanan b. Sakkai war, der noch gar keinen maßgebenden Grundsatz aufzustellen hatte, und dessen angeblich ״mildere", ״gemäßigte" Ansicht ohne Einfluß auf die Bestimmung geblieben wäre, wenn sie nicht eben die Ansicht derer gewesen, in deren Händen damals die Leitung der allgemeinen religiösen Angelegenheiten sich befand. *) So nach dem רש׳בם׳. Es scheint jedoch nicht wohl annehmbar, daß von einem bereits vollendeten Verhängniß ppjj ,נמרך gesagt worden sei. Wir wären geneigt, es in dem ganz gewöhnlichen Sinne: ״die Anordnrmg ist schon getroffen", zu nehmen, nämlich die Anordnung der Trauer über die Zerstörung des Tempels, die eben R. Josua ihnen erläutern will. Bezieht man das גזרה aus das Verhängniß, die Zerstörung selbst, so wäre allerdings darin ein noch schlagenderer Beweis, daß diese Unterredung in die allererste Zeit der Zerstörung fällt, in welcher das Verhängniß noch nicht vollendet, sondern noch im Vollzüge war, und man also davon שככר נגזרה גזרה sagen konnte. 14*