Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1857)
- Article
- Aus Creuznach
- Date
- 1857-01-01
- Page
- 199 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Creuznach. 199 genug loben und ihm nicht genug Ehre erweisen. Aber, wie das oft geschieht, es entstanden bald Zwistigkeiten. Einige zogen ihre Kinder aus der Schule, die Verwaltung und Aufsicht ging in andere Hände über, der VerfaÜ nahm zu, und nach etwa vier Jahren hatte auch dieser so Vieles versprechende Anfang vollständig Fiasko gemacht. Eines schonen Morgens im Winter 1855 erklärte endlich der zeitherige Lehrer, daß die Schule geschlossen sei, und erthcilte nur noch einigen Kinder reicher Eltern einzelne Privatstunden. Die Gelder, die er in letzterer Zeit selbst hatte etnziehen müssen, waren schlecht eingegangen, und es ist möglich daß ihm noch jetzt Schuldbetrüge ausstehen. So war denn wiederum eine schöne Hoffnung vernichtet. Doch war man einmal an einen ordentlichen Religionsunterricht gewöhnt, und die Unzufriedenheit über das Aufhören desselben wurde bald laut. Daher fand denn auch zu Peßach desselben Jahres eine Versammlung von Vätern, welche schulpflichtige Kinder hatten, statt, und wurde von denselben in einer Eingabe an den Vorstand diesem vorgestellt, ״die Religionslchrersache als Gemeindesache zu betrachten, ein bestimmtes Schulgeld für jedes Kind festzusetzen und das Defieit die Gemeinde tragen zu lassen, zu welchem Deficit ja die Eltern der Kinder auch beitragen'müßten." Ob der Vorstand darauf erwiedert habe, und wie die Erwiederung lautete, wissen wir nicht; genug, auch dieser Versuch war ein vergeblicher. Da ereignete sich vor dem Wochenseste ein Todesfall, welcher große Sensation erregte: ein starker, kräftiger Mann, noch in der Blüthe seiner Jahre, starb nach kurzem Krankenlager plötzlich dahin. Sei es nun, daß die Gemüther dadurch aus der Lethargie aufgerüttelt wurden, sei es, daß der Vorstand jetzt die Gemeinde wie Einen Körper betrachtete und sich an die Worte unserer Weisen erinnerte: אם רואה אדם שיסורין באין עליו יפשפש במעשיו, פשפש ולא מצא יחלה בבטול תורה — wie aus den Wolken fallend, erhielt plötzlich das Consistortum in Bonn einen Bericht vom Vorstände unserer Gemeinde, worin demselben der Vorstandsbeschluß mitgetheilt wurde, einen Gemetnde-Reltgionsl ehrer zu engagiren, und dasselbe ersucht, die Genehmigung Königl. Regierung daft'lr zu erwirken, und zwar derart, ״daß jeder Familienvater, so lauge seine Kinder schulpflichtig sind, zur unbedingten Zahlung der sixirteu Bei- 12«