Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1857)
- Article
- Aus Creuznach
- Date
- 1857-01-01
- Page
- 198 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2932754-2932835-2932840-2940601--02240-2940682- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
198 Correspond enz. bet uns leider nicht der Fall ist. Denn auch er ist in zwei Lager gethetlt. Daher ist auch von dieser Seite keine Hülfe zu crwarten; mau gibt im Gegentheil diesem Collegium allgemein die Schuld an unfern Mistständen und erklärt ganz offen, daß diese schon lange beseitigt wären, wenn jenes energischer und mit mehr Lust und Willen zu Werke ginge. Ob und wie weit diese Anschuldigung als gerechtfertigt erscheint, werben die Fakta, zu denen wir jetzt übergehen, zeigen. ׳ Im Jahre 1845 starb der bisherige Lehrer, ein braver und durchaus religiöser Mann, bei welchem die israelitische Jugend einen ziemlich genügenden Religionsunterricht genost. Da derselbe jedoch wegen Kränklichkeit in der letzten Zeit an der Ausübung seines Berufes gehindert war, versuchten mehrere Privatlehrer, durch Ertheilung von Prtvatstunden sich eine Existenz hier zu gründen, wohl nicht ohne die Hoffnung, es über kurz oder lang zur allgemeinen Anerkennung zu bringen und als Gemeindelehrer ausgenommen zu werden. Doch wie täuschten sie sich! Hätten sie nur im Entferntesten die Ansichten eines ansehnlichen Theiles unserer jüd. Gemeinde ahnen können, sie würden sich gewtst nicht einem solchen Wahne htngegeben haben. So scheiterte denn auch dieser Versuch, und die Gemeinde blieb lange ohne alle Lehrer. Es konnte nicht fehlen, daß die religiöse Unwissenheit und Unkenntnist und dadurch auch der Abfall und die Entfremdung immer mehr Ueberhand nahm. Wohl sahen die Bessern betrübten Herzens einen solchen Zustand tiefe Wurzel schlagen, wohl klagten sie über den überhandnehmenden Verfall des Judenthums in unserer Mitte und schauten voller Bangen in die Zukunft, die die Früchte solcher Saat zeitigen würde; aber — dabei blieb es auch, es geschah Nichts; die Helsen wollten, konnten nicht, und die helfen konnten, wollten nicht. Endlich aber wurde es doch zu arg, und es erhoben sich nun wackere Männer, dem Unwesen zu steuern. Nachdem vergeblich daran gearbeitet worden, den Vorstand zu vermögen, einen Gemeindelehrer anzustellen, sah man sich genöthigt, seine Zuflucht zu einem Privatlehrer zu nehmen. Dieser wurde auch wirklich ge- Wonnen, und nun besuchten alle tsr. Kinder seine Schule. Anfangs ging die Sache ganz gut: man konnte den Neuangekommenen nicht