Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1857)
- Article
- Federzeichnungen
- Date
- 1857-01-01
- Page
- 186 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Federzeichnungen. So aber hat man geglaubt, man könne Nichts thun, und — Gott möge es uns verzeihen, man dürfe Nichts thun zur Förderung des Handwerks, weil man kurzsichtig genug 'war, nicht einzusehen, daß nicht das Handwerk dem Judenthume so viele frische, junge Kräfte entfremde, sondern eben die unjüdische Hand, die unsere Jugend zum Handwerke geleitet; und so zog der Vater, der seinen Sohn dieser Leitung nicht blos anvertrauen wollte, es vor, seinem Kinde den Packen auf den Rücken zu legen und ihn ״Handein" zu lassen, wie sein Vater und Großvater es gethan. Kennen Sie das Leben eines ״Handelsjuden", wie ihn das Volk, oder ״Dorfgehers", wie er sich selber nennt? Des Sonntags Morgen können Sie ihn sehen, wie er, seinen Packen auf dem Rücken, Abschied nimmt von Frau und Kind. — Sehen sie die Thräne in seinem Aug? Die Thräne erzählt Ihnen gar Viel. Sie spricht Ihnen von seiner Gatten- und Vaterliebe, von der ganzen, langen, mühseligen Wanderung, die er vor hat, von all dem Spotte und der Verhöhnung, denen er entgegengeht und der ganzen Entbehrung, die seiner harret — lauter alte Bekannte, seine Begleiter sein Lebelang. Gehen Sie ein Weilchen mit ihm. — Wie er zittert vor jedem Handhandhaber des Gesetzes: denn das Gesetz, für Jeden eine Wohlthat, weiß ihm nur Erschwerungen und Lasten zu bieten. — Der Beamte verlangte den Inhalt seines Bündels zu wissen, — zagend nimmt er ihn von der Schulter — er ist verloren, er hat Gespinnste darin, die das Gesetz ihm untersagt: es erlaubt ihm nur rein seidene, wollene und leinene Gewebe, seine Kunden kaufen aber nur baumwollene. — Die Waare soll confiszirt werden; -- nur ein herzlicher, tnhaltschwerer Händedruck, der den Eifer des Beamten beschwichtigt, kann ihn retten. — Jetzt tritt er ins Dorf. — Von der Dorfjugend verspottet und von den Alten geneckt, macht er ein״ Geschäftchen" und wandert weiter zum nächsten Dorfe. Ein Stück Brod mit einem Wenig Fletsch, das er sich vom Hause mitgenommen, sind seine Nahrung unfeine Scheune nimmt seine ermatteten Glieder des Nachts aus. Da haben Sie das Leben eines Dorfgehers, welches nur die allwöchentliche oder allmonatliche Anwesenheit in seinem Hause für einen Sabbath unterbricht.