Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1857)
- Article
- Federzeichnungen
- Date
- 1857-01-01
- Page
- 185 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Federzeichnungen. 185 Wahrlich es gehört Muth dazu und die feste Zuversicht und das durch Nichts zu erschütternde Vertrauen zu der dereinstigen Bessergestaltnug, den Blick auf so manche Erscheinungen zu richten und einige, wenn auch nur flüchtige Skizzen davon aufzunehmen. So ist die unjüdische Richtung im Judenthume schon seit einigen Jahrzehnten bestrebt das ihr unbequeme, alte Judenthum immer mehr zu verdrängen. Alle Kräfte werden aufgcboten, alle Wege werden eingeschlagen, und hat man erst in Synagoge und Schule das jüdische Element mit Füßen getreten und ׳ es bereits so wett gebracht, aus den ״höheren" Kreisen und ״besseren" Ständen der Hauptstadt das lästige ״Ceremoniell" des Jüdenthums zu verbannen und eine scharfe Grenze zu ziehen zwischen den feinen ״Neumodischen" und den ungehobelten ״Altmodischen", dann ist es auch nicht zu gering herabzusteigen in die Hütten der Armuth, in die bescheidenen Kreise des niederen Mittelstandes und selbst in die Provinz, ״austs Land", die segensreichen Saaten der vermeintlichen Aufklärung zu streuen; dann fühlt man auch gar nicht mehr das Schimpfliche des bekannten: der Zweck heiligt die Mittel, und unter dem Deckmantel der Humanität schleicht man sich. ein in die Hütten und Hänschen und entreißt dort die Herzen und Gemüther der Jugend ihrem Väterlichen Heiliqthume und' legt sie als Opfer aus die geschändeten Altäre des Fortschrittes, der Aufklärung. Und während aus dieser Seite so unermüdlich gearbeitet wird, weiß man auf der anderen Sette Nichts diesem Streben engegenznsetzen, als Seufzer und Bedauern, legt verzweifelnd die Hände in den Schooß und hat kaum den Muth offen ariszutreten und mindestens zu reden. Was könnte:; wir nicht Alles, wenn wir uns für die Sache, die uns doch jedenfalls höher und heiliger gelten sollte, als den Anderen die ihre, dieselbe Thätigkeit und Energie entwickelten, wenn wir nur wahrhaft verstanden hätten, was Zeit und Umstände erheischten. Ans unserer Mitte würden Vereine zur Förderung des Handwerks hervorgegangen sein; wir würden Anstalten zur Unterbringung jüdischer Dienstboten errichtet haben und statt all des Uebels, das die jetzigen ״israelitischen" Anstalten und Vereine gebracht, würde durch solche Vereine und Anstalten nur Segen und Heil für's Jndenthum ersprteßen.