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Jeschurun · 1857-01-01 · Heft 4 (Januar 1857) · p. 187

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 4 (Januar 1857)
Article
Federzeichnungen
Date
1857-01-01
Page
187 (sequence 4)
Language
German
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Federzeichnungen. 187 Daß wir bei diesem Leben voller Entbehrung und Erniedrigung das geblieben sind, was wir sind, das; unser Geist von der schweren Bürde, die auf unserm Rücken lastet, nicht wie diel er gebeugt ist, daß er nicht herabgesunken zum kleinlichen Krämer- und Spießbürgersinn, daß unsere Lebenslust nicht verdüstert, unser Gemüth nicht abgestumpft, unser Selbstgefühl nicht crtödtet ist, daß wir trotz Allem die froheste, heiterste, geistnnd gemüthreichste, gefühlvollste Menschenfamilie geblieben, das ist das Werl unseres großen, heiligen Glaubens, das ist der größte Triumph mit, den das Zudenthum gefeiert. Wir aber fragen, sollen unsere Enkel auch noch der sorgenden Erziehung des Vaters, sollen unsere Söhne auch noch des tiefinnigen Glückes des Familienlebens entsagen müssen;— sollen wir auch ihnen den so bittern Kelch des Spottes und des Hohnes, der Entbehrung und Erniedrigung reichen; — soll unsere Gemeinde in einer Zeit wie der unsrigen, wo es immer mehr an Männern gebricht, die bereit sind mitzutragen die Sorge für unser aügemeines Wohl, für unsere öffentlichen Angelegenheiten, all die frischen, tüchtigen Kräfte missen, die ihr durch unsere nicht mehr ״Handelnden" Söhne erwachsen würden? Soll, darf das Alles geschehen? Nehmen wir den Packen von der Schulter und bilden uns einen tüchtigen, jüdischen Gewerbestand, so geben wir unfern Töchtern ihre Männer, unfern Söhnen ihre Frauen, unfern Enkeln ihre Väter, unserm Heiltgthume Träger und Kämpfer, und wälzen ab den wenn auch nur vermeintlichen Schimpf, den der Name ״Schacherjud'" dem Juden bringt. Ist auch nicht leicht das Werk, das wir Vorhaben, müssen auch viele Schwierigkeiten und Hindernisse erst überwunden werden; — Jammern und Seufzer haben noch nie etwas geschaffen, Verzweifeln an der eigenen Kraft nimmer das Geringste zu Tage gefördert. Frisch und fröhlich, heitern Muths müssen wir beginnen; vollenden wird ein Anderer. ״Nicht dein ist das Vollenden der Arbeit, aber entziehen darfst du dich ihr nimmer", und ״das reine Wirken unserer Hände wird Gnade finden vor Ihm und Er wird's durch uns zur Reife bringen."

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