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Jeschurun · 1857-01-01 · Heft 4 (Januar 1857) · p. 177

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 4 (Januar 1857)
Article
Die Synagoge zu Berlin
Date
1857-01-01
Page
177 (sequence 5)
Language
German
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von Dr. M. Kayserlmg. 177 geizigen Papste alle Operationen etngegeben habe." Es ist dieses derselbe große Geschichtschreiber, dem neulich der, unsrer Meinung nach nicht wohl angebrachte Vorwurf geinacht wurde, daß er in seiner Geschichte der Päpste keine Juden berührenden Bullen mit ausgenommen habe, was durchaus nicht in dem Systeme des Werkes z» liegen scheint. Auch die hohe Pforte, Holland und — doch ich wollte ja von Preußen, von Berlin reden. Den ersten Juden, welcher in Berlin diesen Ehrenposten bekleidet, lernen wir in der Person eines gewissen Fritzel kennen, welchem Markgraf Ludwig der Römer in feinem Gefolge zu sein erlaubte und ihm vor jetzt 500 Jahren, 1356, ein Thurmamt in Spandau verlieh. 200 Jahre später, 1556, treffen wir einen andern Hofjuden am preußischen Hofe, den berühmten Lippold, der auch Leibarzt gewesen sein und seinen lieben Herrn Churfürsten Joachim II. durch Gift aus dem Wege geräumt haben soll. Diese scheußliche Geschichte ward von den Chronikschreibern und älteren Historikern so oft wiederholt, daß auch die vernünftigsten Leute daran glaubten, bis der Untersuchungsgeist eines Leibarztes des vorigen Jahrhunderts der Legende auf die Spur kam, die Ehre seines vermeintlichen Kollegen rettete und herausbrachte, daß Joachim II. wirklich gestorben sei und ein Jude Lippold gelebt habe, letzterer aber eben so wenig als Leibarzt gelebt habe, wie elfterer durch ihn an Gift gestorben sei. Jude Lippold wurde hingcrtchtet und bei diesem Volksschauspiel die Synagoge auf dem Judenhofe erstürmt*). Bedeutend besser erging es dem Joost Liebmann, der im Anfänge des 18. Jahrhunderts den Hofjuden und in der Geschichte der Synagoge eine Rolle spielte. Ob dieser Liebmann, wie wir vermuthen, ein Sohn des an die Stelle des ersten genannten Oberrabbiners Kain berufenen Benjamin Wolff Licbmann war, lassen wir dahin gestellt. Noch bei Lebzeiten des Joost Liebmann gelangte seine bekannte Frau, die Liebmannin, zu großem Einfluß; sie war von angenehmen Aeußern, übernahm die Leitung der Geschäfte und durfte sogar des Königs Majestät zu jeder Zeit besuchen. Der da- *) Schön ist diese Geschichte von Moses Mendelssohn in der Vorrede zu ״Rettung der Juden" (Ges. Schr. Band III. S. ISS—186) erzählt, worauf wir zu verweisen uns erlauben.

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