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Jeschurun · 1857-01-01 · Heft 4 (Januar 1857) · p. 174

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 4 (Januar 1857)
Article
Die Synagoge zu Berlin
Date
1857-01-01
Page
174 (sequence 2)
Language
German
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!74 Die Synagoge in Berlin. Eine historische Skizze Die Entweihung einer Synagoge zu Wien bot den ersten Gedanken zur Errichtung einer solchen in Berlin. Es war im Jahre 1670, wo die Juden wieder einmal und nicht zum letzten Male aus den kaiserlich östreichischen Staaten vertrieben wurden. Ihr einziges Gotteshaus weihte man dem heil. Leopold. An dieser Katastrophe hatten —wir bedienen uns der Worte des würdigen Verfassers der ״Annalen der Juden in der Mark Brandenburg"' — die Pfaffen den größten Antheil, indem sie dem guten Kaiser Leopold entsetzliche Schandthaten von den Juden erzählten und den religiösen Herrn leicht bewogen, ihnen seine Staaten zu verbieten, sie austreiben zu lassen. Ein geringer Theil dieser Unglücklichen, etwa 40 bis 50 Familien, wandten sich mit einem Niederlassungsgesuch an den pro- Lestantischen Fürsten Preußens; der große Churfürst nahm sie, wohl weniger aus besonderer Zuneigung als um seinen in dem 30jährtgen Kriege 'herabgekommenen Landern durch den von jeher gerühmten Handels- und Speknlattonsgeist der Juden neue Blüthe und Aufkommen zu verschaffen — in einem diese Angelegenheit betreffenden Schreiben von 1670 heißt es ausdrücklich ״wohlhabende Leute, die Mittel ins Land bringen und sie anlegen wollen" — nach dem Vorbilde der befreundeten Generalstaaten, in seiner Haupt- und Residenzstadt Berlin gastlich auf. Mit dieser Einwanderung beginnt die eigentliche Geschichte der jüdischen Gemeinde Berlins, wie auch einer dieser östreichischen Ansiedler, Namens Rieß, die Reihe der Gräber auf dem hiesigen alten Friedhofe eröffnet, welche vor erst 15 Jahren, sonderbarer Weise, ein Sproß derselben Familie beschloß. Wir datiren von dieser erwähnten Einwanderung den Anfang der jüdischen Gemeinde, nicht aber den der Juden Berlins, denn von dem Aufenthalte derselben in dieser Stadt finden sich schon sehr 'früh Nachrichten. Schon vor mehr als 500 Jahren schenkte eine hoch adelige Dame, die Markgräfin Agnes, dem Magistrat die hier wohnenden, vermuthlich aus dem nah gelegenen Polen herübergekommenen Juden, und im Jahre 1563 wurden sie sogar, wie das später häufig vorkam, von den Markgrafen Schulden halber versetzt. Diese verschenkten und verpfändeten Juden bildeten aber ^eine Gemeinde, hatten keine als solche anerkannte Synagoge, es fehlte ihnen das einzige, alle Mitglieder versammelnde Haus, das Haus des Fortlebens der Gerechten und Frommen, es fehlte ihnen

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